20 Jahre Verspätung – Zur Einführung des Triebwagenverkehrs auf der Eisenbahnstrecke Wuppertal – Remscheid – Solingen

Leserbrief in der Bergischen Morgenpost, Rubrik „Bergisches Land“ vom 13.10.94

zu: „Die ersten schnellen Dieselzüge sind schon im Einsatz (BM vom 23. September 1994

Endlich kommen die Triebwagen auf die bergische Hauptstrecke von Wuppertal nach Solingen über Remscheid. Und die Politiker werden jetzt nicht müde, dies als einen Erfolg darzustellen. Aber ist es ein Erfolg, wenn man 20 Jahre lang nichts tut? 1974 verließen die ersten Triebwagen der Baureihe 628 die Werkshallen.  Aber von einer Hand voll Fahrzeuge abgesehen, wurde der Bundesbahn vom Bundesverkehrsministerium nicht erlaubt, diese Fahrzeuge zu beschaffen. Beim Straßenverkehr wurde dagegen nicht gespart, was ein Vergleich der Autobahnkarte von 1974 und 1994 zeigt. Für die Bahn bedeute diese Politik, dass sie 20 Jahre lang sinnlos mit zu teurem Zügen ein höheres Defizit einfahren musste, weil sie von der Politik dazu gezwungen wurde. Die Folge davon sind heute die Bahnschulden und die Zinsen, die wiederrum der Steuerzahler tilgen muss.

Nun darf man gespannt sein, ob es den Politikern gelinkt, eine Regionalbahngesellschaft für den Güterverkehr und mittelfristig auch für den Personenverkehr auf den Resten des von den Politikern zerschlagenen bergischen Eisenbahnnetzes zu gründen. Im Emsland hat eine Kreisbahn den Güterregionalverkehr auch auf den Hauptstrecken übernommen. Diese Gesellschaft fährt sogar wieder schwarze Zahlen.

Auch im Bergischen Land könnten viele Unternehmen wieder zu Kunden der Schiene werden, wenn eine verlässliche Politik die Zukunft und Modernisierung der Güterbahn sichert. Beraten lassen kann man sich u.a. beim Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Köln. Ein Kilometer Kreisbahn sei, so ein Vertreter des VDV, preiswerter als ein Kilometer Kreisstraße. Die Wähler sollten die nun zur Wahl stehenden Politiker fragen, welche Bedeutung für diese die Schiene in unserer Region hat? Schließlich hat es der Wähler in der Hand, ob Politiker in die Verantwortung kommen, die etwas für die Bahn tun wollen. Wegen der Versäumnisse in den letzten 20 Jahren können sich die Altparteien sicher sein, dass sie diesmal meine Stimme nicht bekommen.

Felix Staratschek, Freiligrathstr. 2, 42477 Radevormwald

19 Jahre später, im Jahr 2013 wird die Ära der Baureihe 628 auf der Strecke des Müngstener enden. Diese Triebzüge schienen immer wieder mit den Bedingungen im Bergischen Land überfordert, so dass es immer wieder zu Zugausfällen kam und an manchen Herbsttagen der Verkehr ganz zusammen brach. 2012 ist das Herbstchaos jedoch ausgeblieben. Mal sehen, wie Abellio mit der bergischen Topographie zurecht kommt.

Bilder vom Müngstener

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