Runder Tisch zur Almetalbahn, Leserbrief in der Neuen Westfälischen Paderborn, Mi. den 29.05.96

Betrifft: „DB verkauft Bürener Strecke“ in der NW vom 25. Mai

Die Deutsche Bahn AG will die Almetalbahn für eine Mark verkaufen. Für den Erhalt sind jedoch investitionen in der Höhe von 5,4 Millionen Mark erforderlich. Das sind pro Kilometer Schienenstrecke 200.000 DM (27 km Paderborn – Büren). Kann man so günstig eine gleich lange Kreisstraße erhalten oder ausbauen? Der Erhalt der Infrastruktur ist daher im Vergleich zu den Alternativen preiswert. Nun wird aber keiner, dem die DB- AG die Almebahn anbietet, alleine dieses Geld aufbringen wollen. Deshalb ist die Gründung einer Interessengemeinschaft Almebahn notwendig. Ein runder Tisch aus Anliegergemeinden, den Kreisen und potentiellen Betreibern müssen gemeinsam eine Bahngesellschaft gründen und die Gelder zusammentragen, bzw. Zuwendungen von Bund und Land organisieren.

Wenn Paderborn seinen Containerbahnhof ausweitet, wäre z.B. ein Zubringerzug (Containershuttle) vom Sauerland (Obere Ruhrtal- Bahn) über die Almebahn nach Paderborn und Bielefeld möglich. Durch eine Übernahme der Bahnstrecke Herford – Rahden – Sulingen – Bassum könnte der Zug auf eigenen Gleisen bis kurz vor die Seehafenstadt Bremen fahren. Nach Süden liegen noch die Gleise bis Marburg. Eine länderübergreifende Interessengemeinschaft aus kreisen, Kommunen, Verkehrsinitiativen und Bahnbetreibern ist notwendig, um eine Marburg-Bremener-Eisenbahngesellschaft (MBE) zu gründen.

Im Güterverkehr könnte diese Gesellschaft die Bremer Häfen mit den Wirtschaftsstandorten in Ostwestfalen, dem oberen Ruhrtal, dem Diemeltal, dem Sauerland und Nordhessen verbinden. Ferner könnte die MBE schnelle Personenzugverbindungen zwischen den Tourismusgebieten Norddeutschlands und dem Sauerland bieten. Die Briloner Hochfläche und das Willinger Wintersportgebiet liegen direkt an der Bahnstrecke. Auch nach Winterberg könnten einige Triebwagen durchfahren. Die Wirtschaft der Regionen wüsste die Verbindungen und Anschlüsse an das ICE und IC- Netz in Bremen, Bielefeld, Paderborn und Marburg sehr zu schätzen und würde an den Fernzughalten die Zahl der Fahrgäste steigen lassen und so auch den Erhalt bedrohter IC- Verbindungen sichern helfen.

Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass die Bahn noch freie Kapazitäten hat, um Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die z.Z. nicht genutzte Almebahn und ihre möglichen Verlängerungen sind dafür ideal geeignet. Denn es gibt hier für viele Abschnitte, die die MBE bedienen würde noch nicht mal eine Autobahn parallel, was die Chancen einer Bahnverbindung zusätzlich steigert.

Natürlich können diese Pläne nicht von Heute auf Morgen realisiert werden. Aber angesichts der sich bietenden Möglichkeiten sind auch die 5,4 Mio. DM ein vertretbarer Betrag, wenn alle Betroffenen sich absprechen und gemeinsam an einen Strang ziehen. Ich empfehle allen Politikern, einen Ausflug zur Dürener Kreisbahn zu machen, die zwei Bahnstrecken übernommen hat, die die DB stilllegen wollte. Mit dem Wochenendeticket oder NRW- Ticket ist das kein Problem, die erfolgreiche Ruhrtalbahn einmal zu besuchen.

Abs.
Felix Staratschek, damals Riemekstraße in Paderborn, Verkehrspolitischer Sprecher der ÖDP Paderborn

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