Mein Beitrag zur Einführung des Hövelhofer Ortsbusses im Mai/ Juni 1996

Als in Hövelhof der Ortsbus eingeführt werden sollte, stellten sich CDU und Grüne in Hövelhof dagegen. Dank der Paderborner Presse (Neue Westfälische und Westfalenblatt) konnte ich als Verkehrspolitiker der ÖDP mehrere Marksteine für den Ortsbus setzen. Diese dürften auch den Nahverkehrsverbund Paderborn Höxter bewogen haben, für 3 Jahre das mögliche Defizit zu übernehmen, damit sich Hövelhof zu diesem Schritt traut. Auf allen Texten wurde auch die ÖDP erwähnt. Die Entwicklung der Ortsbusnutzung hat alle meine Vorhersagen erfüllt, so dass die Realisierung dieses Buskonzeptes einer meiner größten Erfolge ist.

Leserbrief:

Westfalen Blatt vom 21.05.1996: Ortsbus eine einmalige Chance

Neue Westfälische vom 29.05.1996 Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund
zu NW vom 11. Mai 1996

Das ist für die Gemeinde Hövelhof eine einmalige Chance. Von Montag bis Freitag sollen Stadtbusse alle zwei Stunden die Gemeinde erschließen.
Da dieses neue Bussystem aus dem derzeitigen Schulbussystem entwickelt wurde, fallen jährlich nur 60.000 Euro Mehrkosten an. Diese werden aber durch jeden neu gewonnen Fahrgast verringert. Die Gemeinde Hövelhof meint nun, dass sie dieses Geld erst im neuen Haushalt auftreiben könne.
Das kann doch nicht das Problem sein, wo derzeit schon 600.000 DM für die Schulbusse aufgewendet werden müssen. Wenn der Hövelhofer Rat das Geld erst im neuen Haushalt bereitstellen kann, bezahlt man den Bus eben erst im Januar. Wenn die Busbetreiber wissen, dass das Geld auf jeden Fall kommt, können die auch schon im August den Busverkehr aufnehmen. Auch bei Einkäufen muss man teure Sachen nicht immer sofort bezahlen. Der Händler ist zufrieden, wenn das Geld zu einer vereinbarten Zeit gezahlt wird. Wenn der Rat den Bus wirklich will, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum der nicht schon ab August fahren kann.

Einige Kleinigkeiten könnten den Erfolg des Ortsbusses verbessern:

1.) Bei einem Zwei- Stundentakt sind längere Wartezeiten unvermeidbar. Deshalb ist ein rauchfreier Warteraum notwendig. Dieser kann im Rathaus, im Bahnhof, in einem Schulfoyer oder ohne Speisezwang in einer Gaststätte eingerichtet werden. Hier sollen Schüler die Hausaufgaben beginnen können oder Pendler ihre Tageszeitung oder ein Buch lesen können. Bei kalter oder feuchter Witterung ist es wichtig, dass die Fahrgäste einen solchen Raum vorfinden.

2. Die Gemeinde Hövelhof sollte zusammen mit gesellschaftlichen Gruppen (Kirchen, Schützen, JU…) Buswanderwege ausweisen. Ideal sind Wanderwege von den Haltestellen zurück nach Hövelhof. Ein Prospekt, der Freizeittipps zum Ortsbus enthält, wäre denkbar.

3. Es sollte nach Wegen gesucht werden, wie der Ortsbus auch samstags vormittags fahren kann. Denkbar wäre ein samstäglicher Bürgerbus, der von den Einzelhändlern organisiert wird und den gleichen Fahrplan einhält, wie der Ortsbus. Denkbar wäre auch, den Ortsbus am Mittwochnachmittag einzustellen und dafür an Samstagen fahren zu lassen.

4. Eine Hövelhofer Ortsbusgesellschaft könnte Aufträge aus den Nachbargemeinden annehmen und Busse zu Sonderfahrten anbieten. So wäre eine Zusammenarbeit mit Diskotheken und Veranstaltern (Kirmes, Schützenfest, Hövelmarkt) möglich, um deren Verkehrsprobleme zu lösen. Das brächte zusätzliche Einnahmen.

Abs.
Felix Staratschek, damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause und Mitglied im AK. Verkehr der ÖDP.

Nachdem der Rat der Gemeinde trotzdem den Ortsbus ablehnte, brachte die Neue Westfälische am Mittwoch den 5. Juni 1996 folgende Pressemitteilung der ÖDP:

ÖDP bedauert Hövelhofer Ratsentscheidung

Ortsbus hätte Vorbildfunktion

Mit Unverständnis hat die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) in Paderborn auf die Entscheidung, den Ortbus in Hövelhof dieses Jahr nicht mehr einzuführen, reagiert. Da dieses Projekt einen Vorbildcharakter für andere Orte habe, verzögere dies auch die Verwirklichung von Ortsbussystem in anderen Gemeinden, meinte Felix Staratschek vom ÖDP- Arbeitskreis Verkehr.

Da der Ortsbus monatlich nur 5.000 DM koste, wären für 1996 nur noch 20.000 DM notwendig. Die Gemeinde Hövelhof plane in nächster Zeit Investitionen von 1,9 Mio. DM für das Straßennetz. Nur 3 Prozent dieses Betrages seien jährlich nötig, wenn niemand den Bus nutzen würde.

Nach Ansicht der ÖDP besten gute Chancen, dass ein Großteil des Zuschusses durch Fahrgeldeinnahmen bezahlt werden könnte. Denn Auszubildende, Lehrer, Schüler, die Freunde im Umland besuchen wollen. ältere Leute und Familienangehörige ohne Zweitwagen würden als zahlende Neukunden „den Bus freudig begrüßen“. Auch der eine oder andere Autofahrer könnte den Bus nutzen, wenn Betriebe und Verwaltungen die Arbeitszeiten so legen würden, das der Bus von Pendlern genutzt werden könnte. Staratschek: „Einhundert durch den Ortsbus zusätzlich verkaufte Jahreskarten würden die Mehrkosten bereits decken.“ Statt eines Zuschusses könnte die Gemeinde auch Monatskarten erwerben und durch den ermäßigten Verkauf dieser Karten einen teil der Ausgaben wieder hereinholen und den Erfolg des Ortsbusses steigern.

Die ÖDP sehe im Ortsbus Hövelhof „zwar kein optimales Angebot“, da dieser nur alle zwei Stunden fahre. er stelle aber einen „guten Kompromiss zwischen Wünschenswerten und machbaren und eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status Quo dar“. Angesichts der Förderung und Schattensubventionen, die der Autoverkehr bis heute genieße. könne die ÖDP nicht verstehen, „dass nicht einmal diese preiswerte Grundversorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Menschen angeboten wird“.

Im Oktober 1997 endete meine Zeit in Paderborn. Aber es gab 1998 einen Landesparteitag der ÖDP in der Jugendherberge in Paderborn. Dabei viel mir eine Pressemitteilung der Neuen Westfälischen in die Hand (Sa. 5.09.1998):

Erwartungen Übertroffen / Schülerbeförderungskosten sinken

Ortsbus schreibt bereits schwarze Zahlen

Statt 40.000 Euro vorgesehenen Zuschuss brachten der Barverkauf im Bus und gesetzliche Ausgleichszahlungen des Landes (Schülertransport, Freifahrt für Behinderte) so viel Geld ein, dass der Ortbus mit seinem erweiterten ÖPNV- Angebot die Gemeinde weniger belastet, als ein reines Schulbussystem. Während 1996 noch 617.000 DM für den Schülerverkehr aufgewendet wurden, konnte nun der Ansatz für 1999 auf 596.000 DM reduziert werden, so das 21.000 DM oder 3,4% der Kosten eingespart werden konnten.
Der Gemeindedirektor Werner Thor in der NW:
„Damit haben wir sogar unsere ursprünglichen Vorstellungen bei der Einführung des Ortsbusses übertroffen, wonach die bis dahin aufgewendeten hohen Kosten für eine Schülerbeförderung sinnvoller genutzt werden sollten, nämlich für einen öffentlichen Personennahverkehr, den alle Bürger nutzen können. Jetzt sparen wir sogar allgemeine Haushaltsmittel durch den Ortsbus.“
Ich bin gespannt, wann ich diese Worte aus dem Munde unseres Radevormwalder Bürgermeister Dr. Josef Korsten höre.
Dies zeigt aber auch, dass kleinste politische Gruppen etwas bewegen können, wenn sich die Zeitungen nicht scheuen, deren gute Ideen der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Leider ist das eher die Ausnahme als die Regel. Aber dieser ÖDP- Erfolg zeigt, wie schädlich das Ausblenden guter Ideen von politischen Außenseitern für die Gesellschaft sein kann. Ohne die der ÖDP wohlgesonnene Presse in Paderborn wäre es vielleicht nicht zum Ortsbus gekommen. Zum 5-jährigen Jubiläum des Ortsbusses bekam ich überraschend eine Festschrift nach Radevormwald zugesandt. Da hat doch tatsächlich jemand meine Adresse hier ermittelt und es für nötig befunden, mir diese Broschüre zuzusenden. Traurig ist, wie wenig Nachahmung dieses Hövelhofer Ortsbuskonzept bisher gefunden hat. Hier liegt noch eine wichtige Möglichkeit brach, mit geringen Aufwand in vielen Gemeinden eine Grundversorgung im ÖPNV zu schaffen. Leider konnte ich bisher keine eigene Internetseite des Hövelhofer Ortsbusses finden, die das Konzept vorstellt und zur Nachahmung einlädt.

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