Ein Verkehrsverbund nur für Paderborn und Höxter? Leserbrief vom 19.06.95

Im Westfaleblatt vom Montag den 19. Juni 1995 stand mein Leserbrief zur Diskussion, wie der Nahverkehr der Region künftig auftreten soll.

Soll man lachen oder weinen? Ein Verkehrsverbund aus nur zwei Landkreisen entsteht im Süden des Regierungsbezirkes Ostwestfalen- Lippe (OWL). Beide Kreise sind fest in der Hand einer Partei, der CDU, die nun in diesem kleinem Raum ungestört den Nahverkehr gestalten kann. Im Westen und Süden wird der RLG- Verbund (Ruhr-Lippe- Gemeinschaft), im Südosten der Nordhessische Verkehrsverbund, im Nordosten ein Niedersächsischer Verbund und im Norden der OWL- Verbund angrenzen. Das wird die Tarifabstimmungen erschweren. Von Kassel nach Bielefeld oder Soest werden sich die Reisenden über jeweils 3 Tarifsysteme freuen dürfen. Wer von Paderborn nach mit dem ÖPNV nach Lippstadt, Geseke, Bielefeld, Brilon, Detmold oder Herford will, muss den Hochstifttarif verlassen.

Ich stamme aus Radevormwald, wo sich der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR), der Verkehrsverbund Rhein Sieg (VRS) und der MVG/ RLG- Tarif aufeinander treffen und zahlreiche Abstimmungsprobleme haben. Der Kreis Paderborn wird auf kleinsten Raum zahlreiche Tarifgrenzen haben. Da bin ich gespannt, wie man es schaffen wird, diese Tarifübergänge den Fahrgästen zu erklären. Die Tankstellen von der Auto- Konkurrenz funktionieren überall nach dem gleichen Prinzip. Wenn es zu kompliziert wird, fahren die Menschen weiter Auto. Oder will man verhindern, dass man problemlos nach Bielefeld fahren kann, damit die Menschen in Paderborn einkaufen?

Zwei größeren verbünden könnte sich Paderborn anschließen:
1. dem Verbund Münsterland – Kreis Soest – Hochsauerlandkreis und
2. Verkehrsverbund Ostwestfalen Lippe.
Für den ersten Verbund sprechen einige Gründe. Der Verbund grenzt an den VRR und das Ruhrgebiet und reicht bei Gronau bis in die Niederlande (Enschede). Über die Almetalbahn könnte Paderborn an Büren, Brilon, Meschede und Arnsberg angeschlossen werden. Schon heute ist die Bahnverbindung von Hamm und Soest nach Paderborn die wichtigste Bahnverbindung.

Für die OWL- Lösung spricht, dass dadurch eine regionale Einheit zusammengefasst wird. Ein größerer Verbund könnte auch durch Mengenrabatte und durch Marktmacht mehr Einfluss auf die Anbieter des öffentlichen Verkehrs nehmen.

Der neue Hochstiftverbund sollte daher mindestens mit einem dieser Verbünde eng zusammenarbeiten und einen gemeinsamen Tarif anbieten. Letztlich interessiert es den Fahrgast nicht, wie die Verkehrsmittelorganisiert sind, wenn diese attraktiv und verständlich sind. In Münster kann ich mir schon heute eine Fahrkarte kaufen, mit der ich in Arnsberg oder Winterberg den Bus benutzen kann. Wenn es nach mir ginge, würde sich Paderborn diesem Tarif anschließen. Dann würden wahrscheinlich auch der OWL- Verbund und das Siegerland in diesen Tarif einsteigen, mit dem Ergebnis, dass ganz Westfalen mit einem Tarif bereist werden kann. wenn man sich nicht auf einen Verbund einigt, ist eine Tarifgemeinschaft der Verkehrsverbünde das Mindeste, was den Fahrgästen geboten werden muss.

Abs. Felix Staratschek, damals wohnhaft in der Riemekestraße in Paderborn.

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