Transrapid / Leserbrief vom 17.09.98

In der Deutschen Tagespost erschien am Donnerstag den 17. September 1998 folgender Leserbrief zum Transrapid. Mathias Wissmann, letzter Bundesverkehrsminister unter Bundeskanzler  Helmut Kohl war immer mit einem verzückten Lächeln in den Zeitungen zu sehen, wenn er für seinen Supertzug eintrat.

Zu der Glosse über den Transrapid (DT vom 12. September 1998) meine ich: Es gibt vieles, was technisch machbar ist. Aber nicht alles machbare, und sei es auch noch so faszinierend, ist auch sinnvoll. Den Transrapid kann ja nur jemand gut finden, der vom Energiesparen nichts hält oder neue Kernkraftwerke haben will. Der Leistungsbedarf eine technisch längst veralteten 330 Meter langen ICE 1 beträgt 6450 Kilowatt, der 543 Meter kurze Transrapid 06 benötigt 3180 Kilowatt. Umgerechnet auf die Nutzfläche benötigt der ICE 1 pro Quadratmeter nur 7,7 Kilowatt, der Transrapid aber 18,7 Kilowatt. In Benzin- Äquivalente umgerechnet benötigt bei fünfzig- prozentiger Auslastung ein Airbus 320-200 allgemein auf Kurzstrecken 8,5, auf Langstrecken weniger als 6 Liter pro 100 Fahrgastkilometer. Der Transrapid kommt auf 6 Liter und der ICE auf 2,5 Liter. Kleinflugzeuge vom Typ Fokker 50, die zwischen Hamburg und Berlin fliegen, benötigen 6,5 Liter.

Der Transrapid soll bis zu 12 Millionen Reisende zwischen Hamburg und Berlin befördern, obwohl heute per Auto, Bus, Zug und Flugzeug nur 4 Millionen Menschen pro Jahr die Gesamtstrecke Hamburg – Berlin zurück legen. da die Autobahn nach Inbetriebnahme der Transrapidstrecke bestimmt nicht stillgelegt wird, ist es kaum anzunehmen, dass die heutigen Reisenden alle auf den Magnetflitzer umsteigen. Wenn es nicht zu einem finanziellen Desaster kommen soll, muss viel neuer Verkehr erzeugt werden, so dass sich auf dieser Route der Energieverbrauch vervielfacht.

Was das ICE- Unglück von Eschede angeht steht fest, dass es Bedenken gegen die Radsorte gab, die beim ICE 1 verwendet wurde (die Räder sind nun ausgetauscht), dass wegen Sparmaßnahmen auf machbare Überwachungstechnik im Zug und der Werkstatt verzichtet wurde und dass die Brückenkonstruktion nicht für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke geeignet war.

Die Entscheidende Frage aber ist, ob wir wirklich dem Tempowahn verfallen müssen? Reichen 130 km/h auf der Autobahn und 250 km/h auf der Schiene nicht aus? Unsere eigentlichen Verkehrsprobleme liegen im Nah- und Regionalverkehr. Und zur Lösung dieser Probleme können die Prestigezüge Transrapid und ICE nichts beisteuern.

Abs. Felix Staratschek, Freiligrathstr. 2, 42477 Radevormwald

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Ein Kommentar zu “Transrapid / Leserbrief vom 17.09.98

  1. horst krönert April 24, 2016 um 5:37 pm Reply

    der letzte Satz ist goldrichtig!

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