Leserbrief 1990: CDU- Neujahrsempfang in Paderborn: Schweigen zu Zukunftsfragen

Neue Westfälische Paderborn, Freitag, 19. Januar 1990

Betrifft: Artikel „CDU sucht neue Wege in die Zukunft“ über den Neujahrsempfang der CDU in der MW- Ausgabe vom 15. Januar

Es war ein vielversprechender Titel für den Neujahrsempfang der CDU: „Die CDU im Umbruch“. Doch wer auf Aussagen zu den weltumfassenden Zukunftsaufgaben hoffte, wurde enttäuscht. Die Ereignisse in der DDR erfüllen auch mich mit großer Freude. Wenn aber die ökologischen Herausforderungen nicht angepackt werden, stehen wir bald vor Ereignissen, die die Umwälzungen im Osten in den Schatten stellen. Von Ökologie wurde aber kein Wort geredet.

Zwei große Probleme bedrohen das Leben auf der Erde besonders. da ist zum einen das Bevölkerungswachstum, das in der 3. Welt am stärksten ist. In vierzig Jahren werden auf der Erde 10 Milliarden Menschen leben und in 80 Jahren sogar 20 Milliarden. Innerhalb eines Menschenalters wird sich die Weltbevölkerung vervielfachen, falls die Erde dies überhaupt aushält. [(Dezember 2015:) Die Entwicklung ist insgesamt langsamer geworden, dass bis 2050 die 10 Milliarden Menschen nicht erreicht werden und noch immer können alle Probleme human gelöst werden, wenn die Ressourcen der Menschheit richtig eingesetzt werden. Die Agrarkonzerne schaden durch Landgrabbing, Gentechnik und Monokulturen der Natur mittlerweile mehr, als die Bevölkerung.]

Der Deutsche Naturschutzring warnte bereits 1965 vor den Folgen des Bevölkerungswachstums. Die Vernichtung der Regenwälder und die Ausbreitung der Wüsten werden unter anderem dadurch auf Dauer wesentlich verstärkt. Die vor allem klimatischen Auswirkungen werden auch ohne den verstärkte Treibhauseffekt in Europa spürbar sein. Seit Jahrzehnten sagen Ökologen, dass globale Sofortmaßnahmen nötig sind, weil heute (das war [als dies geschrieben wurde] vor 20 Jahren die letzte Chance besteht, die Bevölkerungsvermehrung auf Humane Weise [durch Bildung und Entwicklung] ohne Abtreibung zu stoppen. Ansonsten wird eines Tages die Erde die Menschen in ihre Schranken weisen. Doch das würde ein schrecklicher, langdauernder Katastrophenprozess werden. Es bleibt die Hoffnung, dass es für eine Umkehr noch nicht zu spät ist.

Ein weiterer politischer Wahnsinn ist das Ziel de „ständigen wirtschaftlichen Wachstums“. Die CDU rühmt sich, der beste Wachstumsmacher zu sein. Kurt Biedenkopf [führender CDU- Politiker aus NRW, später Ministerpräsident in Sachsen] sagte dazu, dass die auf Wachstum ausgerichtete CDU-Politik mit einer ökologischen Wirtschaftsweise unvereinbar sei. Wenn die Paderborner CDU der DDR zu recht ins Stammbuch schreibt, Marx und Erhard seien nicht vereinbar, muss die CDU auch darauf hingewiesen werden, das ständiges Wachstum und Erhard noch weniger vereinbar sind.

Ludwig Erhard schrieb 1972: „Es ist nicht wahr, dass die soziale Marktwirtschaft auf die Maximierung des Sozialproduktes gerichtet ist. Sie ist auf überhaupt kein Ziel gerichtet als nur auf das eine, ein geordnetes Zusammenleben der Menschen zu ermöglichen. Glaubt eine Mehrheit, Konsum und Wirtschaftswachstum bedeuteten höchste Lebenserfüllung, wird die Marktwirtschaft die Verfolgung dieser Ziele ermöglichen, aber sie ermöglicht auch genauso die Verwirklichung ganz anderer Werte durch einer mehr oder Minderheit ihrer Mitglieder. Es ist ökonomisch naiv, die Messziffer für das Wirtschaftswachstum mit der Vorstellung zusammen zu bringen, dass die kollektive Wohlfahrt gesteigert werde.“

Erhard hat schon bemerkt, dass auch viele negative Ursachen eine Wirtschaft wachsen lassen, wie Krankheiten, Unfälle, Umweltschäden und vieles andere mehr. Er glaubte auch nicht daran, dass die Menschen durch ständig steigenden „Wohl“-Stand  glücklicher würden. Er war ein Gegner des in  einen Gesetz geforderten Staatsziels nach „ständigen Wachstum“, weil dieses Gesetz den Staat sofort zum Handeln zwingt, wenn sich die Konsumenten für eine Verringerung des Konsums entscheiden. Erhard sprach von einer „Entthronung des realen Konsumenten“ und vom Ende der sozialen Marktwirtschaft.

Er hat recht behalten, die Folgen unseres Konsumierens und Wirtschaftens sind Waldsterben, Ozonloch, Flüsse- und Nordseeverschmutzung, Verkehrsinfarkt, , etc.. Sozial ist das nicht, denn unsere Lebensweise geht mit einmaligen Rohstoffen und dem empfindlichen Ökosystem Erde so verschwenderisch um, dass kommende Generationen die Lebensgrundlagen gestohlen werden. Freiheit ist auch immer die Freiheit der zukünftigen Generationen!

Anstelle des Wachstum muss die Verminderung ein wichtiges politisches Ziel werden. Es ist unmöglich dass 5 Milliarden Menschen und bald 10 Milliarden Menschen alle unsere Lebensweise erreichen. Die Erde verträgt ja nicht mal die Industrieländer. Genausowenig können wir von den Menschen in der „3. Welt“ verlangen, dass die bescheiden bleiben, damit wir im Überfluss leben können. Wir müssen durch die eigen Weise zu Leben und zu wirtschaften Vorbild werden und so unsere Beanspruchung des Ökosystems Erde deutlich reduzieren. Wenn wir es nicht schaffen, dies zu erreichen, wird die Natur uns zeigen, wer die Erde beherrscht. Der Mensch verspielt gerade durch seine materialistischen Forderungen und durch seine wachsende Anzahl seine „Herrschaft“ über die Erde und bereitet den ökologischen Katastrophen den Weg.

Angesichts dieser Tatsachen braucht die Welt Menschen, die bereit sind ihren Lebensstil zu verändern und mit viel Engagement und Kreativität sich gegen die Zerstörung unseres Planten wenden. Es muss noch lange nicht zu spät dafür sein. Es wird umso mehr gerettet, je eher wir damit anfangen.

Felix Staratschek, ÖDP- Landtagskandidat

damals wohnhaft in der Riemekestraße in 4790 Paderborn

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