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Paderborn: Kasseler Tor: Es geht auch anders / Leserbrief vom 17.07.92

Zum Neubau einer Kasseler Tor- Brücke über die Eisenbahnstrecke Paderborn – Altenbeken, setzte die CDU- Mehrheit eine Brücke mit 2 Fahrspuren je Richtung durch. In einem Leserbrief vom 17. Juli 1992 legte ich in der Neue Westfälischen dar, dass eine Brücke mit 2 Spuren reicht, da man den Verkehr nicht über die Warburger Straße in die Innenstadt führen muss. Die Brücke wurde zwar gebaut, aber der Leserbrief enthält Ideen die alle oder teilweise, je nach Standpunkt, umgesetzt werden könnten. Einige betreffen die Führung des Straßenverkehrs, andere die Stärkung der Schiene und des ÖPNV. Leider waren in der Zeit unter Bundeskanzler Helmut Kohl bis 1998 solche Vorschläge chancenlos. Und auch danach ist unter Schröder und Merkel die notwendige Verkehrswende ausgeblieben.

Paderborns Einwohner werden in Zukunft noch mehr Verkehrslärm ertragen müssen, denn nach den derzeitigen Plänen soll durch den Ausbau des Kasseler Tores noch mehr Verkehr in die Kernstadt gezogen werden. Es ist klar, dass ein zentraler Ort erreichbar sein muss, aber dies geht auch anders, als derzeit geplant.

Ein Blick auf die topographische Karte zeigt, dass die Warburger Straße für den Durchgangs- und Fernverkehr nicht gebraucht wird. Aus Richtung Warburg kann man über den Westfalenring und die Driburger Straße oder Detmolder Straße in die Kernstadt gelangen. Wer in Paderborn wohnt kann problemlos laufen, radeln oder den Bus benutzen.

Was liegt da näher, als die Brücke über die Bahn am Kasseler Tor für den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu sperren. Nur Busse, Radfahrer, Fußgänger, Taxen, Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen dürfen die Brücke noch passieren. Der Busverkehr kann dann ausgeweitet werden, da es dadurch attraktiv würde, mit dem Bus schnell in die Innenstadt zu gelangen. Auch Laufen und Radfahren würden bei dieser Regelung zunehmen, weil der Gefahrenpunkt Bahnbrücke nicht mehr besteht und man sich ohne Angst vor zu vielen Autos auf der Brücke bewegen kann.

Die breite Warburger Straße böte an beiden Rändern genügend Raum für Parkplätze. Hier können Leute von außerhalb Paderborns ihr Auto abstellen und mit dem Bus alle 10 Minuten in die Innenstadt fahren. Es wird eine Parkgebühr erhoben, die gleichzeitig als Familienfahrkarte gilt und zu beliebig vielen Fahrten an einem Tag zwischen Auto und Innenstadt berechtigt.

Bei allen Verkehrsplanungen muss außer an die Umwelt auch an die allgemeine Staatsverschuldung gedacht werden. Ein massiver Straßenbau macht einen öffentlichen Verkehr, wie attraktiv er auch sein mag, unwirtschaftlicher. Aus finanziellen und ökologischen Gründen ist dieser Straßenbau nicht zu verantworten. das Geld, dass am Kasseler Tor für die breiten Autopisten und Parkplätze ausgegeben wird, fehlt beim öffentlichen Verkehr.

Wenn Paderborn aus dem Umland besser erreichbar sein soll, ist folgendes nötig:

—-Bau eines Bahnhofs am Rosentor.

—-Einsatz von Straßenbahnen (wie in Karlsruhe (oder mittlerweile auch Kassel – dann könnte man umsteigefrei durchfahren)) im Stundentakt zwischen Paderborn und Warburg, wobei in Benhausen, Neuenbeken, Buke, Schwaney, Hebram Wald-Neuenheerse, Borlinghausen, Bonenburg, Nörde und Menne Haltestellen eingerichtet werden müssen.

—-Ausbau der Almetalbahn / Sennebahn von Brilon Wald – Büren – Paderborn – Bielefeld.

—-Austausch der langen Citybahn- Züge Paderborn – Hannover (die damals nur alle 2 Stunden fuhren) gegen moderne Triebwagen, die Paderborn mit Hameln im 30 Minuten- Takt verbinden. Auch hier wären Straßenbahnfahrzeuge denkbar, die auch an kleinsten Orten an der Strecke eine Bedarfshaltestelle bedienen können.

—-Einführung eines 30 Minuten- Taktes zwischen Soest und Paderborn. Dafür ist eventuell auf Streckenabschnitten ein dreigleisiger Ausbau notwendig, damit bei einer echten Eisenbahn- Vorran- Politik der Fern- und Güterverkehr dem Nahverkehr genügend Fahrplantrassen übrig lässt.

Außerdem sind Spätzüge nötig, die wegen der geringeren Nachfrage auch mit Straßenbahnfahrzeugen gefahren werden können. In Karlsruhe wurde mit Straßenbahnen auf Bahngleisen sehr gute Erfahrungen gemacht. Wo elektrifizierte Strecken bereits vorhanden sind, sind Straßenbahnen preiswerte Verkehrsträger, die dann auch in dünn besiedelten Regionen fahren können. Schienen und Oberleitungen sind bereits für den Fernverkehr bezahlt und können von der Tram mitbenutzt werden.

Für das hier beschriebene ist Geld nötig, das aber fehlt, weil gigantische Straßenbauprojekte diese Mittel verschlingen. Wenn die Bürgerinnen und Bürger erst einmal bemerken, was die Politiker ihnen durch diese Politik an Lebensqualität stehlen (durch den Zwang zum Autofahren wegen fehlenden ÖPNV- Angeboten, durch Autolärm, Abgase, verstopfte Städte, Unfallopfer…..) wird es zu interessanten Wählerwanderungen kommen.

Abs. Felix Staratschek,
Verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) im Kreis Paderborn
damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause

Paderborn: Le Mans Wall Sperrung – Ein Traum mit Zukunft? Leserbrief vom 29.01.97

Im Wochenspiegel vom 29. Januar 1997 griff ich die baustellenbedingte Sperrung des Le Mans Wall für den Durchgangsverkehr auf. Denn das, was sonst nur zum Liborifest – meist in den verkehrsärmeren Sommerferien eine Woche lang Realität wird, wurde nun mitten Jahr für einige Zeit wahr. Und ich habe nicht mitbekommen, dass in Paderborn der Verkehr zusammen brach. In Form eines gedachten Stadtbesuches in Paderborn, habe ich beschrieben, wie schön die Stadt mit weniger Autoverkehr und mehr ÖPNV sein könnte.

In Steinheim steige ich in den Elektrotriebwagen nach Paderborn. der schnell beschleunigende Motor ermöglicht ohne Fahrzeitverlängerung das Bedienen neuer Haltestellen. So steigen heute auch an den Bedarfshaltestellen Grevenhagen und Neuenbeken (Anschluss an eine Buslinie des Padersprinter) Fahrgäste ein und aus. Alle 30 Minuten verkehrt dieser Zug zwischen Hameln und Paderborn. In Altembecken werden mehrere Triebwagen aus Höxter, Göttingen, Warburg und Detmold zu einem Verband gekoppelt, damit die Strecke Altenbeken – Paderborn nicht überlastet wird.

An der neuen Eisenbahnhaltestelle Rosentor verlasse ich mit den meisten Fahrgästen den Zug. Nur wer in den stündlichen Interregio umsteigen will, fährt noch weiter bis zum Paderborner Hauptbahnhof. Auf den zuschlagpflichtigen Inter City (IC) wurde zum Glück verzichtet. Alleine die neue Eisenbahn – Haltestelle Rosentor mit angrenzender Zentralstation des Padersprinter- Stadtbusnetzes hat der Bahn Fahrgastzuwächse von 40% gebracht.

Der Le Mans Wall und der Liboriberg sind ruhig. Die Straße wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Stattdessen kommt gerade eine Flotte von Bussen an, die statt durch die Innenstadt über den Kamp, Rathausplatz und die Marienstraße nun ungestört vom PKW- Verkehr über den südlichen inneren Ring fahren. Eine Midibus- Linie fährt alle 10 Minuten den Kreis Paderborn Hauptbahnhof – Paderborn Rosentor – Kamp – Marienstraße – Imadstraße – Rathenaustraße – Hauptbahnhof. Dieser Bus verkürzt nicht nur gehbehinderten Menschen die Wege zur Innenstadt, er erschließt auch das dicht bewohnte Riemekeviertel. Auf den Parkplätze am Liboriberg findet jetzt 2 mal in der Woche der Wochenmarkt statt. Wer samstags und Mittwochs in der Stadt etwas einkauft, kann nach seinen besorgungen in der Innenstadt die schweren Lebensmittel direkt neben dem Busbahnhof auf dem Wochenmarkt einkaufen und muss die Taschen nicht mehr so weit zum Bus schleppen. Der Domplatz bekam dafür neue Attraktionen. Anstelle des Wochenmarktes gibt es hier jetzt häufig Flohmärkte, Infobörsen, Aktionstage und viele andere Veranstaltungen, die die Menschen in die Innenstadt locken.

Da die Leute weniger mit dem Auto fahren, gehen viele mit einem Handwagen oder Rucksack einkaufen. Gegen einen Pfandbetrag kann man sich am Rosentor verschiedene Handwagen beim VPH- Fahrgastzentrum ausleihen. Für diese Handwagen gibt es im ganzen Innenstadtgebiet abschließbare Einstellplätze.

Von der Verkehrsregelung auf dem Liboriberg profitieren alle!
—Paderborn hat weniger Autoverkehr und trotzdem eine florierende Innenstadt.
—Es gibt weniger Abgase und Unfälle.
—Die Busse sind wesentlich schneller geworden, seit diese über den Le Mans Wall und Liboriberg fahren.
—Die Verknüpfung der Stadtbusse mit dem regionalen Schienenverkehr am Bahnhof Paderborn Rosentor ist hervorragend.
—Busfahrer (weniger Stress beim Fahren), Fahrgäste (schnellere Busverbindungen) und Anwohner (Zug- und Bushalt vor der Haustür, statt Zuggeräusche ohne Haltestelle) profitieren von der neuen Verkehrsgestaltung.

Dies muss keine Utopie bleiben. Die Sperrung des Le Mans Wall ist momentan vorhanden. Die Auswirkungen können geprüft werden. Der Rest kann in wenigen Jahren verwirklicht werden, wen die Politik es will oder die Wähler die Politiker per Stimmzettel dazu zwingen.

Autofahren bleibt nach wie vor für jeden zu jedem Ziel möglich. Aber der öffentliche Verkehr würde einen riesigen Attraktivitätsschub erhalten und so viele Autofahrten ersetzen.

Heute fahren alle Züge aus Richtung Altenbecken direkt an der Paderborner Innenstadt ohne Halt vorbei. Es muss am Hauptbahnhof in einen Bus umgestiegen werden, um dahin zurück zu fahren, wo man durch eine neue Haltestelle künftig aussteigen könnte. das gleiche gilt für Fahrgäste, die vom Zug in die Busse zur Uni und zur östlichen Stadthälfte umsteigen wollen. Busfahrgäste, die von einem Stadtteil ins andere fahren, wird die zeitraubende Innenstadtdurchquerung erspart, während die Fahrgäste, die zur Innenstadt wollen, noch immer recht nah am Zentrum halten oder in den Midibus umsteigen können. Der Midibus stört in der Innenstadt nicht und ersetzt die Schlange der Linienbusse, die im dichten Takt noch immer durch die Innenstadt fährt.

Paderborn hat hier einmalige Entwicklungschancen. Wer hat Lust sich mit mir (oder da ich nicht mehr in Paderborn bin statt mir) sich hierfür einzusetzen?

Eine Herausnahme der Busse aus der Innenstadt ohne eine Sperrung des südlichen Inneren Ringes für den Durchgangsverkehr wäre jedoch eine Verschlechterung des Busverkehrs und würde das Autofahren fördern. Ohne eine Sperrung für PKW, ist die Verlagerung der Busse auf den Liboriberg abzulehnen und die heutige Verkehrsführung beizubehalten.

Abs. Felix Staratschek
damals Verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP), wohnhaft im Riemekeviertel.

Innenstadt Paderborn: Die Busse müssen schneller werden – Leserbrief vom 25.02.95

Im Westfalenblatt erschien am Samstag den 25.02.1995 folgender Leserbrief:

Viele Leute fordern, dass die Busse der PESAG (heute Padersprinter) nicht mehr über den Rathausplatz fahren sollen. Statt dessen sollen die Busse über den südlichen inneren Ring fahren und zusätzlich die Zentralstation ansteuern. das letztere wäre ein Zeitaufwendiger Umweg und würde verhindern, dass mehr Leute auf den Bus umsteigen.
Aber auch der Liboriberg hat Tücken. Die Busse der BVO brauchen für die kürzere Strecke in der Hauptverkehrszeit oft länger, als die PESAG- Busse der Linien 4,9,und 48. Ferner sind die haltestellen auf dem Ring durch den Autoverkehr unattraktiv. Wenn die PESAG- Busse über den Liboriberg fahren sollen, müssen da die Autos weg. Dann können die Busse ungestört und schnell die Straße passieren. Die Innenstadt könnte durch eine Ringlinie (Rosentor – Torgasse – Kamp – Rosentor auch für Rentner gut erschlossen werden. Ferner bietet sich der Platz zwischen der Eisenbahnstrecke und dem Liboriberg für den Wochenmarkt an, so dass man auf kürzesten Weg mit den vollen Einkaufstaschen zum Bus käme. Ohne PKW- Durchgangsverkehr auf dem Le Mans Wall bräuchte am Rosentor auch keine Grünfläche für zusätzliche Busspuren geopfert werden. Da ich aber nicht glaube, dass der Paderborner Rat die von mir hier vorgeschlagene Variante in Erwägung ziehen will, ist die derzeitige Busführung durch die Innenstadt die beste, die durchsetzbar ist.
Allerdings muss nach einer Fertigstellung des Parkhauses Neuhäuser Tor der Autoverkehr aus der Marienstraße genommen werden. Durch eine schallschluckende Fassadengestaltung oder -bergrünung sollte der Lärm der Busse reduziert werden. Da aber die Neuhäuser Straße zugunsten der Anwohner nicht gesperrt wird, können auch die Anwohner der Marienstraße nicht verlangen, dass die Busse aus ihrer Straße verschwinden.

Was würde mit der Zentralstation unter dem Königsplatz passieren, wenn die von mir vorgeschlagene Liboriberg- Lösung umgesetzt würde?
Die Ringlinie bräuchte die Zentralstation nicht und könnte auf der Marienstraße halten. Der Raum der Zentralstation könnte als Geschäftsfläche genutzt werden.

Zur weiteren Attraktivierung der Innenstadt könnte ein Bahnhof am Rosentor sehr beitragen. Mehr Fahrgäste würden die Zukunft der Sennebahn sichern. Aber auch für die Züge von Soest, Warburg, Steinheim, Bad Meinberg und Bad Driburg wäre eine Bahnstation Rosentor attraktiv.

Abs. Felix Staratschek, damals in der Riemekstraße in Paderborn wohnhaft.

Stellungnahme zur Studie zum PESAG- Busverkehr in Paderborn im Februar/ März 1995

Die PESAG (heute Padersprinter) hatte in einer Studie untersuchen lassen, wie sich der Busverkehr in Paderborn entwickeln soll. Anfang 1995 wurde diese Studie veröffentlicht. Dazu habe ich im Auftrag der Ökologisch Demokratsichen Partei (ÖDP) im Kreis Paderborn wie folgt auf 5 Schreibmaschinenseiten Stellung genommen und das an zahlreiche Personen des politischen Lebens sowie an die Verkehrsbetriebe geschickt. Es war mir gelungen, an eines der Exemplare der Studie zu gelangen, die ansonsten nur im engeren politischen Bereich verfügbar war.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zum Glück hat es diese Studie gegeben. Denn jetzt wissen wir noch immer nicht, ob die Busse über den Rathausplatz oder den Ring fahren sollen. Bedeutend ist jedoch die Erkenntnis, dass der Kaukenberg besser angeschlossen werden soll und ansonsten alles gut ist. Selbst die Geographen der Universität Paderborn wären niemals in der Lage gewesen, zusammen mit ihren Studenten während eines Seminars und einigen Geländepraktika diese Erkenntnis zu erlangen. Das gilt auch für die Politiker Paderborns, die auch dann, wenn diese täglich den Bus nutzen würden, Schwierigkeiten haben würden, solche Theorien auch nur zu erahnen.

Nach der Satire nun zum Ernst. Die vermeintliche Studie ist immerhin eine schöne Status Quo- Beschreibung des ÖPNV der PESAG in Paderborn. Insofern kann diese Studie trotz vieler Mängel eine Grundlage für eine weitere Diskusion sein. Insgesamt hätte ich jedoch mehr erwartet. Ich will mich daher an den Inhalt der Studie halten, wenn ich meine Anfragen und Anregungen formuliere.

Allgemeines:

—–Zunächst wird in der Studie gar nicht darüber diskutiert oder nachgedacht, wie man dem Modal Split zugunsten des ÖPNV verbessern könnte. Der Bus wird ohne einen Zusammenhang mit anderen Verkehrsarten betrachtet. Umweltschützer sprechen vom Umweltverbund aus Fußgängern, Radfahrern und Bus und Bahn. Dieser Umweltverbund soll vor dem Autoverkehr bevorzugt werden. Die alleinige Betrachtung des Busverkehrs ist zu einseitig, da keine Busfahrt ohne Vor- und Nachlauf zu Fuß, per Rad und manchmal auch per Auto auskommt.
—–Desweiteren hat es den Anschein, dass die Gebiete mit einem Fahrgastzuwachs in der gleichen Zeit auch einen entsprechenden Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen haben. Dann hat der Busverkehr defakto keine neuen Fahrgäste gewonnen, sondern lediglich den Anteil übernommen, den der Bus eh beim Personenverkehr in Paderborn hat. Der Autoverkehr dürfte dann ähnlich zugenommen haben. Umweltschutz passiert im ÖPNV erst, wenn aktiv PKW- Fahrten vermieden werden.
—–Bei der mittleren Fahrweite wäre zu prüfen, wie sich verschiedene Fahrgastgruppen verhalten. Wie weit fahren Pendler, Rentner, Schüler, Innenstadtbesucher und Freizeitfahrgäste?
—–Bei den 20 wichtigsten Haltestellen fällt auf, dass diese in der Regel entweder in der Innenstadt liegen oder an den Linien mit einem 15 Minuten Takt. Interessant wäre eine Liste der 20 wichtigsten Haltestellen ohne die Innenstadthaltestellen, da deren Bedeutung durch die zentrale Lage vorgezeichnet ist.
—–Es ist fraglich, ob die Aussage der Studie stimmt, dass eine Verdoppelung von einem 30 Minuten Takt auf einen 15 Minuten Takt nur 10% mehr Fahrgäste bringt. Bei 100% mehr Fahrleistung für nur 10% Zuwachs würde sich die Umweltbilanz des ÖPNV verschlechtern und die Kosten pro Fahrgast deutlich erhöhen. Zur Begründung dieser Aussage wird auf „bundesweite Erfahrungswerte“ verwiesen, anstatt die Entwicklung in Paderborn zu untersuchen. Hier gibt es den 15 Minuten Takt nach Wewer, Elsen, zum Westfriedhof, nach Schloss Neuhaus und zur Uni erst seit ein paar Jahren. Hier ließe sich ganz konkret zeigen, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben. Erfahrungen mit verbesserten Fahrplänen aus dem Bereich der Schiene haben deutlich größere Zuwächse gebracht (Stand Winter 1994/95):
Karlsruhe – Bretten (Karlsruher Modell) 300%
Köln – Gummersbach (erster Citybahn- Modellversuch) 80%
Bielefeld – Paderborn ca. 20%
—–Bei der Verteilung des Verkehrsaufkommen über den Tag fällt auf, dass der Schülerverkehr eine herausragende Bedeutung hat. Die Darstellung ist ungünstig. Die Schüler hätten als oberste Gruppe im Stabdiagramm dargestellt werden müssen, damit man die Trend bei den übrigen Fahrgästen besser erkennen kann. Eine ähnliche Darstellung über die Zahl der eingesetzten Busse wäre ebenfalls interessant.
Die Tagesgang- Linie wirft aber auch viele Fragen auf. wenn Schüler und Auszubildende einen großen Anteil am Fahrgastaufkommen haben (44%), muss man sich fragen, wo diese Leute bleiben, wenn sie die Ausbildung abgeschlossen haben. Warum nehmen die nicht mehr den Bus, obwohl die doch meist Dauerkunden beim ÖPNV waren. Oder sind das alles nur die Muss-Kunden, denen es zum Autofahren alleine an Jahren und / oder Geld fehlt?
Die gleiche Frage muss auch an die anderen Fahrgäste gestellt werden:
Wer hat einen Führerschein?
Wer hat ein oder mehr Autos zu Hause und könnte, statt auf den Bus jederzeit auf dieses Fahrzeug zurückgreifen?
Wie oft nutzen die Muss- Kunden Bus und Bahn?
Wie oft nutzen Leute, die ein Auto zur Verfügung haben den Bus?
Die Muss- Kunden zu transportieren kann als sozialer Bereich des öffentlichen Verkehrs bezeichnet werden. Nur wenn auch Kann- Kunden den ÖPNV nutzen, tritt durch vermiedene Autofahrten wirklich eine Umweltentlastung ein. Gleiches gilt aber noch für die Muss- Kunden, die ohne ÖPNV von Angehörigen befördert würden. Da kann eine Busfahrt sogar 2 Autofahrten ersetzen!

In der Tagesganglinie wird auch deutlich, dass ab 19 Uhr das Verkehrsaufkommen bei Bus und Bahn fast zusammen bricht. da fast jeder Haushalt ein Auto hat, wird dieses abends, wenn man etwas gemeinsam unternehmen will, auch gebraucht. Die Studie bestätigt damit die Forderung der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) nach einem „Guten Abend Ticket“ für die PESAG (ÖDP- Bürgerantrag von 1994, 1 Monat für bis zu 5 Personen für 20 DM täglich ab 19 Uhr, Sa + So wäre mehr möglich). Auch die Kombination von Eintrittskarte und Fahrkarte, wie es die im VRR und VRS oft gibt, wäre ein Anreiz das Auto stehen zu lassen. Ein Schüler- Freizeit- Ticket für 15 DM könnte den Schülern ab 14 Uhr die Nutzung aller Busse ermöglichen, damit diese das ganze PESAG- Netz mit der Zeit kennen lernen und dadurch hoffentlich später häufiger zu Dauerkunden werden.

Die derzeitigen Angebote (Stand 1995), bei denen mehrere Personen auf einer Fahrkarte gemeinsam fahren dürfen kranken daran, dass nur 2 Erwachsen und 3 Kinder damit fahren dürfen. 5 Personen passen aber in jedes Auto und da fragt keiner, wieviele davon Kinder sind. Also sollten Zeitkarten ab 19 Uhr und Tageskarten den ganzen Tag von 5 Personen ohne Altersgrenze nutzbar sein, damit mehr Autos in der Garage bleiben.

—–Bei der Tabelle der Umwegfaktoren der Buslinien wäre ein Vergleich mit dem Autoverkehr interessant. Wie schnell ist man mit dem Auto? Ferner müsste geprüft werden, welche Potentiale zur Beschleunigung der Busfahrten vorhanden sind? Die Tabelle zeigt, dass man mit dem Fahrrad meistens schneller, als mit dem Bus ist. Beim Radfahren kann man vor der Haustüre aufsteigen und hat keine Warte- und Umsteigezeiten. Oft überholt man mit dem Fahrrad, z.T. durch gute Schleichwege, sogar den Autoverkehr. Insofern ist es schon fast verwunderlich, dass so viele junge Leute (Schüler und Auszubildende) den Bus nutzen. Es wäre in der Tabelle auch interessant wenigstens die Ringlinie 58 gesondert  aufzuführen, da man dadurch wenigstens die Reisegeschwindigkeit dieser Linie erfahren hätte.

Innenstadt und Weiterentwicklung des Busverkehrs

Es ist ja kaum zu glauben, was in der Studie für Innenstadtführungen geprüft wurden. Kaum ein Fahrgast wäre auf solche Gedanken gekommen. Es gibt letztlich nur zwei vertretbare Varianten. Die eine heißt Status Quo und die andere ist noch nie, auch nicht von dieser Studie, untersucht worden, obwohl die ÖDP dies in Bürgeranträgen (1994) gefordert hat.
Der Vorschlag der ÖDP lautet, die Busse sollen über den Le Mans Wall und Liboriberg verkehren. Damit aber für die Fahrgäste ein ungestörtes Ein- und Umsteigen möglich wird, muss dann der KFZ- Durchgangsverkehr unterbunden werden. Das klappt bereits zu jedem Liborifest, ohne dass der Autoverkehr in Paderborn kollabiert. Am Westerntor, Rosentor und Liboriberg können die Busse halten und auf einer Busspur mit 70 km/h fahren. Eine Bahnhaltestelle am Rosentor würde optimal Bus und Bahn verbinden und viele Ziele im ÖPNV leichter erreichbar machen. Auch der Wochenmarkt könnte optimal auf dem Platz zwischen neuer Bahnstation Rosentor und der neuen  Buszentralstation auf dem Liboriberg stattfinden. Besonders für alte Leute wäre der Weg vom Markt zum Bus mit mit Lebenmitteln beladenen Taschen so kurz, wie noch nie. Das Liborifest könnte auf den Maspernplatz verlegt werden, da durch das Parkhaus am Neuhäuser Tor und am Rolandsweg genügend Ausweichflächen für den ruhenden PKW- Verkehr geschaffen wurden. das werden viele als ketzerisch bezeichnen, aber wenn die Maßnahme durch eine besseren Busverkehr die Lebensqualität der Stadt hebt, sollte das weltliche Klimbim des Liborifestes auch an einen anderen Ort verlagert werden können. Ist die Verlagerung nicht möglich, kann man aber auch eine Woche im Jahr damit leben, dass die Busse nicht den besten Weg fahren können. Schließlich könnte die die Liborikapelle auf diese Weise wieder stärker in den kirchlichen Teil des Liborifestes einbezogen werden. Hier wären u.a. ein Freiluftgottesdienst oder ein deutsch-französisches Jugendzeltlager während des Liborifestes möglich. Eine Anbindung der Zentralstation entfällt bei dieser Variante. Wie in Fulda wäre es jedoch möglich, mit Kleinbussen, die auf Handzeichen oder Fahrgastwunsch überall halten, die Innenstadt über Kamp und Marienstraße alle 10 Minuten zu erschließen. In Fulda kostet das weit weniger, als die PESAG bei diesem Vorschlag für einen Umweg über die heutige Zentralstation ausgeben müsste.
Durch diesen Vorschlag der ÖDP sollen die Busse die Innenstadt bei einer guter Erschließung der City schneller durchqueren und auch für alle attraktiv werden, die von einem Stadtteil ins andere wollen und an der Innenstadt bei ihrer Fahrt kein Interesse haben.
Da ich aber in Paderborn keine Mehrheit für eine Sperrung des Le Mans Walls und Liboriberges für den Durchgangsverkehr sehe, halte ich die derzeitige Führung der Busse durch die Innenstadt für das beste, was derzeit in Paderborn umsetzbar ist. Es bleibt dann nur die Fragen warum die Bahnbusse zwecks einer besseren Verknüpfung mit den PESAG- Bussen dann nicht auch diesen Weg fahren. Schließlich behauptet die PESAG, dass eine Verlagerung der Busse von der Innenstadt auf den Ring bei den derzeitigen Verhältnissen zu Fahrgastverlusten führt. Wenn dem so ist, ist es unverantwortlich, die Busse der BVO weiter über den Ring fahren zu lassen.

—–Zur Uni sollte der Bustakt der Linien 4 und 48 verdoppelt werden auf 7,5 Minuten. Davon profitieren Studenten und Anwohner gleichermaßen und das größte Einkaufszentrum (Südring) außerhalb der Innenstadt wird so mit dieser optimal verbunden. Wendeschleifen sind am Liethstaudamm und und „Am Bahneinschnitt“  und der Schönen Aussicht vorhanden. Bei so kurzen Busfolgen wird das Fahrplanlesen überflüssig.
—–Eine Buslinie sollte alle 30 Minuten von der Uni über den Hauptbahnhof, die Ferdinandstraße, die Fürstenalle nach Schloss Neuhaus fahren (oder zur Gartenstadt Sennelager über die Hermann Löns Straße). Dadurch werden die neuen Uni-Räume im Nixdorf- Gebäude, die Studentenzimmer im Riemekeviertel und die Uni direkt verbunden.
——Auf jeden Fall sollten die Ergebnisse der Studien von Sozialdata (Postfach 701 ´829, 81316 München) zum Thema Verkehrswende mit den Gegebenheiten in Paderborn verglichen werden.
—–Auffallend ist der geringe Anteil des Freizeitverkehrs bei den Busfahrgästen. Das mag zum Teil daran liegen, dass man die Wochenenden nicht dargestellt hat. Aber es bleibt die Frage, wie sieht die analoge Verteilung beim Auto aus? Kann der Busverkehr im Freizeitverkehr noch Fahrgäste hinzu gewinnen?
—–Wie ist in Paderborn die Kenntnis der Einwohner über ihren Nahverkehr? Wissen die Leute, wo die nächste Haltestelle ist, wie oft die Busse fahren, welche Linien im 15 Minuten Takt fahren und welche Tarife es gibt? welche Fahrzeiten veranschlagen die Leute für eine Fahrt mit dem ÖPNV von Tür zu Tür und wie weit weicht dies von der realen Fahrzeit ab?
—–Wie verhalten sich Gewerkschaften, Unternehmer und Betriebsräte zum öffentlichen Verkehr? Nehmen diese beim Verhandeln und Umsetzen von Tarifverträgen und der Regelung von Arbeitszeiten Rücksicht auf die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn? Oder hängt die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze vom Zufall ab? Durch unnötig lange Wartezeiten vor oder nach der Arbeit können viele Pendler zum Auto gedrängt werden, die durchaus das Busangebot nutzen könnten.
—–Gibt es Überlegungen, in Absprache mit Unternehmen ähnlich wie die Schulbusse Pendlerbusse einzusetzen, die allen Gelegenheitsfahrgästen zugänglich bleiben, aber gezielt den Bedarf der Betriebe bedienen? So könnten Wohn- und Industriegebiete ohne Umwege zu den Schichtwechselzeiten schnell miteinander verbunden werden. Da die Schule erst um acht beginnt, könnten die Busse, die als Schulbus gebraucht werden schon vorher als Pendlerbus verkehren.
—–Warum betreiben PESAG und BVO kein Carsharing? Dabei hält eine Gesellschaft oder ein Verein Autos vor, die von den Mitgliedern oder PESAG- Dauerkunden jederzeit gebucht werden können. Man zahlt für jede Autofahrt die vollen Kilometerkosten und spart dafür die Vorhaltungskosten für einen eigenen Wagen oder ein Zweitauto. Im Durchschnitt werden die Autos am Tag nur 40 Minuten bewegt. 1400 Minuten stehen die Autos irgendwo herum. Wer einmal ein Privatauto hat, wird wegen der hohen Fixkosten nur selten den Bus nehmen. Wer aber am Carsharing teilnimmt, wird, wann immer es geht, auf das Auto verzichten und laufen, radeln oder Bus fahren, weil er die vollen Autokosten von über 70 Pfennig / Kilometer einspart. Die Bahn kostet z.B. (1995) ohne Ermäßigung (Bahncard, Zeitkarte….) nur 25 Pfennige / Kilometer. Da kann man auch zu dritt noch den vollen Fahrpreis zahlen. Carsharing hat auch einen großen Vorteil: Man kann sich je nach Fahrt das passende Auto buchen, z.B. den Kleinbus für den Familienausflug, den Transporter für den Umzug oder den Smart für eine Fahrt alleine zum Supermarkt.
—–In die Vergabe künftiger Studien sollte die Uni Paderborn mit einbezogen werden. Die Fachbereiche Geographie, Soziologhie, Wirtschaft und Politologie sollten in solche Untersuchungen einbezogen werden, um die heimische Uni zu fördern.

Weitere Vorschläge in Stichworten:
—–Umsteigehaltestellen ausbauen, verbessern oder vorbeifahrende Linien immer halten lassen:
Elsener Straße / Heinz Nixdorf Ring (6,68,8)
Pontanusstraße (BVO, PESAG: 2,24,9,58)
Barkhauser Straße (PEDAG, BVO)
Wewer / B! (BVO, PESAG 2,24)
Kaukenberg (PESAG, Brüggenmeyer)
Sande Friedhof / B64 BVO- Halt einrichten, PESAG hält in Parallelstraße
Bus- und Basenverknüpfung in Sennelager und Paderborn Nord verbessern, Haltestelle Ausbesserungswerk für alle Züge nutzen.
Fußwege zwischen Buslinien ausschildern, etwa von der Uni Haltestelle der Linie 9 zur Unihaltestelle der Linien 4 und 48, von der Linie 3 zur Linie 2, von der PESAG in der Innenstadt zur BVO auf dem Ring und künftig in Sande und Wewer.
—-BVO-Linien von der Borchener Straße über Widukindstraße – Karlstrtaße – Kasseler Tor umleiten, damit die auf dem Ring halten und die Innenstadt besser erschließen.
—–Automaten und Imbisse / Kioske mit Fahrkartenverkauf an wichtige Haltestellen, um die Busfahrer zu entlasten.
—–Angleichung des Fahrplanwechsles von PESAG und BVO, BVO- Buslinien im Stadtbereich in die PESAG- Übersichtspläne aufnehmen
—–BVO- Busse, die vom Westen (Salzkotten, Delbrück, Hövelhof) kommen und am Hauptbahnhof enden bis zur akut nicht genutzten Wendeschleife an der „Schönen Aussicht“ verlängern zwecks Direktanbindung der Innenstadt (Libioriberg) und der Universität (Schöne Aussicht).
—–Busbrücke bei Nixdorf über die Alme, Schaffung eines westlichen Busknoten bei Nixdorf, wo sich BVO- und PESAG- Linien begegnen und nach Hövelhof, Delbrück, Büren und Salzkotten umgestiegen werden kann.
—–Markenzeichen- Design für Haltestellen schaffen, die im 15 Minuten Takt bedient werden
—–Spät- und Nachtverkehr verbessern. Auch um 0.18 Uhr sollte noch ein Nachtexpress am Hauptbahnhof stehen, der einmal die Innenstadt durchquert und dann die Fahrgäste ganz nach Bedarf zu den Haltestellen der Stadt bringt.
—–Fahrpläne, Linienplan, Tarifinformationen, Verkaufsstellen- Liste und Tipps (Wie komme ich an eine Monatskarte?) ins Telefonbuch. Das ist doch in fast jeden Haushalt.
—–Taxiruf beim Busfahrer in den Abend- und Frühstunden.
—–Preiswerte Fahrkarten für Hotel- und Feriengäste.
—–Eine Gratismonatskarte für jeden zuziehenden zum Testen der Busse, gültig 31 Tage ab einer Entwertung durch den Inhaber. das reduziert die Hürde mal den ÖPNV zu nehmen und führt zu mehr Kunden.
—–Leerfahrten verstärkt in Linienfahrten verwandeln, sofern diese regelmäßig sind (durch kleine Umwege (z. B. über Südstadt oder Nixdorf kann es so sehr interessante Spätfahrten geben), gleiches gilt für Werks- und Schülerverkehre, die für alle nutzbar werden müssen.
—–Gepäckaufbewahrung und Servicestation in der Innenstadt, Computerfahrplanauskunft in allen größeren Geschäften sowie öffentliche Uhren, um den Bus nicht zu verpassen.
—–Fahrradtransport im Bus, sofern Platz ist.
—–Fahrradständer an Haltestellen, vor allem an denen im 15 Minutentakt zur besseren Vernetzung von Bus und Rad.
—–Fahrradgaragen an Haltestellen mit Zielen weit abseits der Buslinien, wo Pendler sicher ein Rad abstellen können.
—–Ab 20 Uhr anhalten auf Wunsch
—–Beseitigung der Busbucht Winfriedstraße (4, 48), die Busse kommen dann schneller zur Ampel.
—–Heute würde ich dazu schreiben: Busanhänger und Midibusse nutzen, statt Gelenkbusse, damit das Platzangebot im Busverkehr leichter der Nachfrage im Tagesgang angepasst werden kann.
Soweit die Anmerkungen eines interessierten Bürgers zum Thema. Ich bin von der ÖDP beauftragt worden, diese Anmerkungen den Verantwortlichen vorzulegen. Ich hoffe, dass einige Anregungen in der Zukunft auch umgesetzt werden und zukünftige Studien einige Bereiche mehr untersuchen.

Ich setze mich für eine Politik ein, die auch lokal so handelt, dass diese global verantwortbar bleibt. Aufgabe der Politik muss es u.a. sein, die Fantasie der Menschen anzuregen, damit diese Wege finden, mit weniger Autofahrten auszukommen. Dafür muss natürlich auch der politisch geschaffene Rahmen verbessert werden. Die Politik hat in der repräsentativen Demokratie die Bringschuld, Schaden von den Menschen abzuwenden. Dabei müssen alle Menschen, die Heute und in Zukunft leben, berücksichtigt werden.
In diesem Zusammenhang müssen meine Forderungen nach einer Zurückdrängung des Autoverkehrs und einer Bevorzugung des Umweltverbundes gesehen werden. Denn eine Gesellschaft, die Vorbvild für die Entwicklung der ganzen Welt sein will, muss sparsam mit den Ressorcen umgehen. Alleine in Nordrhein Westfalen gibt es (1995) mehr Autos, als in ganz Afrika. Da die ganze Welt nie so leben könnte, wie wir es derzeit tun, muss sich unser Lebensstil ändern, Diesen Bewusstseins- und Verhaltenswandel herbeizuführen ist die oberste Aufgabe aller verantwortungsbewussten Menschen. Über den Weg dahin kann man streiten, nicht aber über das Ziel. Ein wenigwer an Ressourcenverbrauch und intelligenterer Lebensstil haben aber nichts mit Verzicht zu tun, da wir durch das abwerfen unnötigen Balastes oft viel mehr gewinnen, als wir aufgeben. Über die Details des weges kann man streiten, nicht aber über das Ziel, da alle anderen Ziele zum Riun des Ökosystemes erde führen.
Leider zeigen die vielen neuen Parkhäuser in Pasderborn (Rolandsweg, marktkauf, Liboripassage, Neuhäuser Tor) und der anhaltende Straßenbau ein anderes Ziel auf.
Da ich im die grenzen der kommunalen Handlungsmöglichkeiten weiß, habe ich bemüht, viele kleinere regionalmachbare Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die zur Förderung des Allgemeinwohls von jeder politischen Richtung umsetzbar sind.

Mit bstem Gruß, Felix Staratschek, damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause.

Was ist uns die Bahn wert? / Neue Westfälische vom 28.11.1989

Betrifft: NW-Bericht: „Das kennt jede(r): Im Stau stecken, wenn mans eilig hat“ in der Ausgabe vom 21. November 1989

Es ist ein Teufelskreis. Steht der Bus im Stau, fahren wenig Leute mit ihm, fahren wenig Leute mit dem Bus, verstärkt dies den Stau durch mehr Autofahrten. Nun gibt es aber ein Verkehrsmittel ohne Stauungen, die Eisenbahn. Diese weist im Nahverkehr (Stand 1989!) noch immer große Fahrplanlücken auf und wird dadurch unattraktiv. Auch die ständig steigenden Fahrpreise, welche den Fahrgast für sein umweltfreundliches Verhalten bestrafen, sind kein Anreiz zum Umsteigen, solange das Benzin so billig bleibt.

Moderne Triebwagen können alle halben Stunden Paderborn mit Warburg, Höxter, Hövelhof, Büren, Bielefeld und Soest verbinden. Busse binden die Orte abseits der Bahnlinien an den Schienenverkehr an oder übernehmen in Paderborn die Feinverteilung der Fahrgäste. Alle Haltestellen erhalten viele Fahrradständer und wenn nötig Park & Ride- Plätze. Ein neuer Haltepunkt Rosentor bedient die Innenstadt. So nah kommt kein Autofahrer ohne Parkplatzsorgen an die Innenstadt, erst recht nicht zu Libori.

Die hier beschiebene Eisenbahn ist in den Niederlanden und der Schweiz bereits Realität. In der Schweiz stieg der Anteil der Bahn von 22 auf 30% zu Lasten des Autoverkehrs. Ein weiterer Ausbau des Schienenverkehrs soll den Marktanteil weiter erhöhen.

Wann entdecken endlich die regierenden Politiker, dass nicht der Flughafen Ahden oder die Autobahn wichtig sind, sondern eine gute Eisenbahn, die für alle Bürger zu jeder Zeit benutzbar ist. Ich bin noch nie geflogen (einmal ist es mittlerweile doch passiert, weil ich bei einer gewonnen Reise mitgenommen wurde).  Der Autoverkehr belastet jeden. deshalb dient die Bahn allen, wen diese den Autoverkehr reduziert. Und im Gegensatz zu Flugzeugen fährt die Bahn auch dort, wo man oft hin muss. Die Schweizer wissen was ihnen die Bahn wert ist in einer Volksabstimmung haben sie mit Mehrheit für das flächendeckende Ausbauprogramm „Bahn 2000“ gestimmt. Und was ist uns die Bahn wert?

Abs. Felix Staratschek für den Fahrgastverband Pro Bahn e.V., damals wohnhaft im Riemekeviertel in Paderborn

Die Qualität der Schweizer Bahn ist eine Folge der direkten Demokratie! da alle größeren Projekte einer Zustimmung durch das Volk bedürfen, wenn da Steuergelder für fließen sollen, vermeidet die Schweizer Politik einen Großteil der Prestigeprojekte, mit denen die Gelder für unsere Verkehrspolitik verprasst werden und durch ausbleibenden oder zu niedrigen Nutzen die Staatsverschuldung mit nach oben getrieben wird.

Leserbriefe zur Diskussion über ein Regional- und Stadtbahnsystem für das Paderborner Land im November 1995

Das Westfalenblatt brachte im November 1995 zwei Leserbriefe von mir. Verkehrsplaner aus Karlsruhe hatten ein Stadtbahnkonzept für Paderborn vorgestellt, dass bei den heimischen Politikern sehr kritisch beäugt wurde, um es mal ziemlich neutral auszudrücken.

Leserbrief vom 03.11.1995:
Über die Pläne einer Regional- und Stadtbahn im Paderborner Land macht sich dieser Leser Gedanken:
In Paderborn wird wieder laut über eine Straßenbahn nachgedacht. Begeistert sprechen viele vom Karlsruher Modell. Doch hier sollte man vorsichtig sein. Paderborn und Karlsruhe sind sehr verschieden. Viel näher an den hiesigen Gegebenheiten liegt Düren mit seiner Kreisbahn. Hier wird auf Bahnstrecken, die denen im Paderborner Raum sehr ähneln, mit modernen Dieseltriebwagen gefahren. Aus diesen beiden Vorbildern sollte ein eigenes Paderborner Modell entwickelt werden. Dieseltriebwagen, die auch als Stadtbahnwagen nutzbar sind, müssten für die heimischen Bahnstrecken entwickelt werden. Durch einen mit Diesel angetriebenen Elektrogenerator wird der Zug mit Strom versorgt. Ein solcher Zug könnte in der Stadt mit Stromabnehmer und Oberleitung fahren.
Im Überlandverkehr hätte so ein Zug den Vorteil, dass man auch ohne Oberleitung mit dem Dieselantrieb umsteigefrei viele Ziele der Region ansteuern kann. Ein solches Fahrzeug würde im Gegensatz zu den Dieselbussen die Fußgänger am Kamp nicht mehr mit den Dieselabgasen belästigen. In Würzburg hat niemand etwas gegen die Straßenbahn in der Fußgängerzone. Auf eine direkte Anbindung des Flughafens sollte verzichtet werden. Der Flughafen könnte mit einem Pendel- Midi- Bus an die Haltestelle Ahden angebunden werden. Zwischen Paderborn und Büren muss die Almetalbahn grundlegend durchgearbeitet werden. So wird z.B. der alte Bahnhof Borchen nicht wieder als haltestelle in Betrieb gehen (wobei die alten Bahnhofsflächen als Ladestelle für den Güterverkehr interessant sein können). Stattdessen muss es die Haltestellen Gallihöhe und Nordborchen geben. Neue Siedlungen müssen vor allem in der Nähe der Bahn angelegt werden. Der Busverkehr muss auf die Bahnstrecke abgestimmt werden. Wenn ein Verkehr mit Linienbussen nicht genug Fahrgäste erreicht, müssen Anruf-Sammel- Taxen die Bahn mit dem Umland verbinden. Die Bahn muss Rückfallweichen und einen Funkleitbetrieb erhalten. Die Dürener Kreisbahn hat dies ebenfalls gemacht. So werden die Stellwerke überflüssig. Zwischen Jülich und Düren befördert die Kreisbahn statt 300 nun 1000 Fahrgäste täglich. Fahrkarten gibt es im Automaten im Zug.

Die alte Paderborner Straßenbahn wäre wegen ihrer Eingleisigkeit und der schmalen Spurweite für so ein Konzept untauglich. Eine neue Straßenbahn ist jedoch, wie hier zuvor aufgezeigt, mit weniger Aufwand errichtbar, als es die Verkehrsconsult Karlsruhe (VCK) in ihrer 100.000 DM teuren Studie dargestellt hat. Politiker und Stadtplaner können mit dem Wochenendeticket die Rurtalbahn in Düren besuchen.

In Bielefeld wurde der Stadtbahntunnel so gebaut, dass dort auch Dreischienengleise verlegt werden können und normalspurige Züge den Tunnel durchfahren können. Wenn die neue Unilinie, die Bielefeld plant, in Normalspur gebaut würde könnte die Straßenbahn von der Uni Bielefeld über die Sennebahn bis zur Uni Paderborn durchfahren. Das würde einen gegenseitigen Professorentausch oder einen Besuch der Unibibliotheken und – Veranstaltungen erleichtern. Einer Anerkennung der Veranstaltungen, wie zwischen den Unis in Köln und Bonn stände nichts im Wege. Beide Unis könnten an Attraktivität gewinnen. Eine Führung der elektrisch betriebenen Sennbahnzüge (im Tunnel wäre aus Sicherheitsgründen die Dieselvariante nicht sinnvoll), würde auch den Bielefelder Hauptbahnhof entlasten.

Die Stadt Paderborn sollte schnellstens mit Bielefeld Kontakt aufnehmen, damit als Anfang eines neuen Eisenbahnzeitalters bald die Verbindung Paderborn Hbf – Bielefeld Universität verwirklicht werden kann. Hierfür halte ich eine Neubaustrecke über „Nixdorf“ entlang dem Unteren Frankfurter Weg nach Schloss Neuhaus für notwendig, da die eingleisige Sennebahn zwischen Paderborn Hauptbahnhof und Paderborn Nord stark von Güterzügen genutzt wird, die Verspätungen verursachen könnten. Diese Linie ließe sich dann hinter dem Hauptbahnhof am Liboriberg oder Kasseler Tor aus der Sennebahn ausfädeln und über die Warburger Straße bis zum Ende des Peter Hille Weges verlängern.
Es wundert mich, dass die Studie der VCK zum Thema Straßenbahn die Chancen so einer neuen Uni- Linie nicht deutlicher herausstellt. Wenn die Politiker 1988 den Nahverkehrstag in Bielefeld besucht hätten, hätten diese viele Informationen viel preiswerter bekommen können, als durch diese Studie. Häufig lassen sich die Steuergelder, die für solche Studien ausgegeben werden auch durch den gesunden Menschenverstand und im Verkehrsbereich durch die Beachtung der Verkehrsinitiativen einsparen.

Abs. Felix Staratschek, damals wohnhaft im Riemekeviertel in Paderborn

Auf weitere Äußerungen, die in der Diskussion gefallen waren, ging ich kurze Zeit später ein, am 21.11.1995:

Über die Aussichten einer Regional- und Stadtbahn im Paderborner Land äußert sich dieser Leser:
Es ist haarsträubend, was ich über die Bahn hier als Reaktion auf die Stadtbahndiskussion zu lesen bekomme: Verschiedene Spurweiten und Stromsysteme würden die Bahn behindern. Tatsächlich fährt der Talgo von Paris bis Madrid. Der TGV kann mehrere Stromsysteme vertragen, was dieser schon in der Schweiz beweist.

Und dann wird hier gefordert, dass die Almetalbahn von Paderborn nach Büren in einen Radweg umgewandelt wird. Unsere Politiker müssen nur mal die Augen weit öffnen und die erfolgreichen Regionalbahnen suchen. da gibt es nicht nur direkt vor der Haustüre die Sennebahn, die pro Zug im Stadtgebiet Paderborn schon über 40 Fahrgäste befördert. Die Dürener Kreisbahn fährt zwischen Heimbach und Düren ähnlich erfolgreich, obwohl das Fahrgastpotential viel niedriger ist. 4.500 Einwohnern von Heimbach, 6.500 von Nideggen und 90.000 von Düren standen 1989 gut 20.000 Bürenern, 15.000 Brilonern, 9.000 Borchenern und 120.000 Paderbornern gegenüber. Auch die Salzburger Lokalbahn befördert in einem Einflussbereich von ca. 25.000 Einwohnern außerhalb Salzburgs täglich 6.000 Fahrgäste in die Stadt. (Das wurde 1988 beim Nahverkehrstag in Bielefeld ausführlich vorgestellt!)

Und da will Paderborn auf die Chance, einen modernen Schienenverkehr einzuführen, verzichten? Und wie würde das Verkehrsaufkommen erst aussehen, wen die Sennebahn statt 60 Minuten nur 40 Minuten für die Strecke von Paderborn nach Bielefeld benötigt? Ein Bus braucht 94 Minuten. Und nach Büren könnte die Fahrzeit von 50 auf 25 Minuten halbiert werden, wenn statt der Busse eine moderne Bahnverbindung vorhanden wäre.

Die Salzburger Lokalbahn hat z.B. einen Ort per Kleinbusschutle an den entfernten Bahnhof angeschlossen, was so erfolgreich war, das heute ein Gelenkbus fährt. Rufbusse, die man bei Abfahrt in Paderborn im Zug bestellen kann, können kleinere Orte erschließen.

Und wie ist dies finanzierbar?

Für den Preis von nur 27 km Autobahn können über 300 Triebwagen der Baureihe 627 gekauft werden. Das wäre weit emhr, als die kreise Paderborn und Höxter zur Abwicklung eines guten öffentlichen Verkehrs benötigen. Ferner gibt es zahlreiche teure Projekte, die ein zweifelhaftes Kosten- Nutzenverhältnis haben, wie die Autobahnen und die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald, den Transstupid (Transrapid- Magnetbahn) von Hamburg nach Berlin oder die Sauerlandautobahn.

Kurzfristig muss der bestand des Güterverkehrs von Paderborn nach Büren gesichert werden, damit einem künftigen Betreiber die Einnahmen aus dem Güterverkehr erhalten bleiben. Der Güterverkehr nach Büren ist nämlich wirtschaftlich, wenn die Schienen für den Personenverkehr sowieso vorhanden sind. Die DB- AG würde durch die Zustellung der Güterwagen durch eine neue Regionalbahn auf die Dauer sehr profitieren. Nun muss aber die CDU schnellstens bei der Bahn das Interesse an dieser Bahnstrecke bekunden und die Bahn auffordern, den Güterverkehr weiter zu führen, bis es zu einem Vertrag kommt. Notfalls könnte Büren auch von Brilon aus per Güterzug an die Bahn angeschlossen werden. Das dürfte dem Getreidehändler gleich sein.

Absolut nicht verstehen kann ich das Verhalten der Paderborner Einzelhändler. Diese müssten doch ein großes Interesse an einer Schienenstrecke haben, die Kunden aus dem Sauerland in das Oberzentrum und die Großstadt Paderborn bringt. Mehr Autokunden sorgen für mehr Verkehrschaos, mehr Bahnkunden lediglich für mehr Einkäufer. Und wer im Auto sitzt, kann ab Haaren auch über die A 33 bis Bielefeld durchfahren. Die Bahn könnte am Rosentor, direkt an der Paderborner Innenstadt halten. Nindestens an dem Bielefelder Gleis der Sennebahn könnte sofort ein Außenbahnsteig entstehen. Die recht kurze Entfernung zu anderen Haltepunkten ist normaler Weise nicht sinnvoll, aber hier, direkt neben der Innenstadt, haben so viele Menschen ein Fahrtziel, dass durch eine neuenHaltstelle die Bahn viele neue Kunden gewinnen könnte. Es wäre wünschenswert, wenn der Einzelhandel einmal über seinen Parkplatzrand hinausschauen würde, um die Potentiale zu erkennen, die ein guter öffentlicher Verkehr bietet.

Abs. Felix Staratschek, damals in der Riemeckestraße in Paderborn zu Hause

Antrag auf DB- Haltepunkt „Paderborn-Rosentor“ / Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) „macht Dampf“, 06.01.1991

Der Paderborner Wochenspiegel berichtete am 6. Januar 1991 über einen Bürgerantrag der ÖDP an die Stadt Paderborn.

Die ÖDP will mit einem Antrag bei der Stadt Paderborn und den Ratsparteien Dampf machen. Diese haben für Paderborn die Autobahnen und den Flughafen durchgesetzt. Aber gleichzeitig habe sie immer einen Berg von Ausreden parat, wenn jemand Forderungen nach einem Haltepunkt am Rosentor stellt. Da der Autoverkehr durch seine enorme Zunahme immer mehr die Lebensfähigkeit der Innenstädte erstickt, ist die Bahn als staufreies öffentliches Verkehrsmittel unverzichtbar.

Die ÖDP hat zwei Möglichkeiten für eine Haltestelle am Rosentor skizziert.

Die Variante A ist die platzsparenste Lösung, da diese mit zwei Randbahnsteigen auskommt am am Hauptbahngleis Richtung Paderborn und am Gleis der Sennebahn. Durch Weichen wird der Bahnsteig an der Sennebahn mit dem zweiten Hauptbahngleis verbunden, so dass Nahverkehrszüge nach Altenbeken, Warburg, Höxter, Hameln und Detmold den Bahnsteig erreichen können. Randbahnsteige haben für Fahrgäste den Vorteil, dass diese mindestens einen der Bahnsteige ebenirdig erreichen können. Für Fußgänger, Radfahrer, Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Rollenkoffer sind Rampen vorgesehen, damit die Züge ohne Probleme erreicht werden können.

Falls zwei Bahnsteige nicht reichen, weil man durch eine Verkehrswende wesentlich mehr Zugverkehr anstrebt, kann durch die Variante B Platz für mehr haltende Züge geschaffen werden. Das nördliche Hauptbahngleis wird nach Norden auf die Parkplatzfläche verlegt, damit zwischen den Hauptbahngleisen ein Mittelbahnsteig errichtet werden kann. Bei dieser Lösung kann auf alle zusätzlichen Weichen verzichtet werden.

Durch den Bau von zwei Bahnsteigen mit Regenschutz kann hier eine neue Haltestelle direkt am Anfang der Fußgängerzone geschaffen werden. Sofern die Bahn hier keine Fahrkarten verkaufen will, könnte das Reisebüro in der Leostraße oder ein neues Reisenbüro den Verkauf übernehmen. Der Platzverbrauch der neuen Bahnanlagen ist bei weitem geringer, als der Bedarf an Parkplatzen, der nötig wäre, wenn alle Fahrgäste, die hier künftig ein- und aussteigen mit dem Auto kämen. Überdachte Fahrradständer, Telefonzellen und ein Stadtplan gehören zum Bahnhof dazu. Angesichts der Gelder, die im Paderborner Land immer wieder für den Straßenbau aufgebracht werden, ist es nicht zu verstehen, dass nicht ein kleiner Teil dieses Geldes für den Bau des Haltepunktes am Rosentor verwendet wird.

Mit Worten bekennen sich alle zur Bahn, die ÖDP will endlich einmal Taten sehen. Die täglichen  Bahnfahrten finden selten im Interregio (heute IC/ ICE), dafür meistens im Nahverkehrszug statt. Deshalb ist der Ausbau des Nahverkehrs mindestens genauso wichtig, wie der Schnellbahnbau.

21 Jahre später ist auch diese Haltestelle nicht realisiert.  Nur mal zum Vergleich: Auf einer Innenstadtkarte betrug die Distanz Paderborn Hauptbahnhof – Marienplatz 12 cm, vom Rosentor zum Marienplatz sind es 3,5 cm, vom Haltepunkt Kasseler Tor 8 cm. Zieht man einen Kreis von 3,5 cm um diese Haltestellen, kommt man vom Hauptbahnhof nur bis zur Herz Jesu Kirche am Westernplatz, vom Kasseler Tor nur zu Teilen des Kampes, vom Rosentor aus erreicht man die ganze Innenstadt. Wer aus Richtung Altenbeken nach Paderborn zum Einkaufen will, fährt immer an seinem eigentlichen Ziel, der Innenstadt vorbei und muss vom Hauptbahnhof aus zurücklaufen. Beispiele aus Koblenz und Ludwigshafen zeigen, wie erfolgreich solche neuen Innenstadthaltestellen sein können. Fahrgastzuzwächse machen den ganzen ÖPNV wirtschaftlicher.