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Stellungnahme zur Studie zum PESAG- Busverkehr in Paderborn im Februar/ März 1995

Die PESAG (heute Padersprinter) hatte in einer Studie untersuchen lassen, wie sich der Busverkehr in Paderborn entwickeln soll. Anfang 1995 wurde diese Studie veröffentlicht. Dazu habe ich im Auftrag der Ökologisch Demokratsichen Partei (ÖDP) im Kreis Paderborn wie folgt auf 5 Schreibmaschinenseiten Stellung genommen und das an zahlreiche Personen des politischen Lebens sowie an die Verkehrsbetriebe geschickt. Es war mir gelungen, an eines der Exemplare der Studie zu gelangen, die ansonsten nur im engeren politischen Bereich verfügbar war.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zum Glück hat es diese Studie gegeben. Denn jetzt wissen wir noch immer nicht, ob die Busse über den Rathausplatz oder den Ring fahren sollen. Bedeutend ist jedoch die Erkenntnis, dass der Kaukenberg besser angeschlossen werden soll und ansonsten alles gut ist. Selbst die Geographen der Universität Paderborn wären niemals in der Lage gewesen, zusammen mit ihren Studenten während eines Seminars und einigen Geländepraktika diese Erkenntnis zu erlangen. Das gilt auch für die Politiker Paderborns, die auch dann, wenn diese täglich den Bus nutzen würden, Schwierigkeiten haben würden, solche Theorien auch nur zu erahnen.

Nach der Satire nun zum Ernst. Die vermeintliche Studie ist immerhin eine schöne Status Quo- Beschreibung des ÖPNV der PESAG in Paderborn. Insofern kann diese Studie trotz vieler Mängel eine Grundlage für eine weitere Diskusion sein. Insgesamt hätte ich jedoch mehr erwartet. Ich will mich daher an den Inhalt der Studie halten, wenn ich meine Anfragen und Anregungen formuliere.

Allgemeines:

—–Zunächst wird in der Studie gar nicht darüber diskutiert oder nachgedacht, wie man dem Modal Split zugunsten des ÖPNV verbessern könnte. Der Bus wird ohne einen Zusammenhang mit anderen Verkehrsarten betrachtet. Umweltschützer sprechen vom Umweltverbund aus Fußgängern, Radfahrern und Bus und Bahn. Dieser Umweltverbund soll vor dem Autoverkehr bevorzugt werden. Die alleinige Betrachtung des Busverkehrs ist zu einseitig, da keine Busfahrt ohne Vor- und Nachlauf zu Fuß, per Rad und manchmal auch per Auto auskommt.
—–Desweiteren hat es den Anschein, dass die Gebiete mit einem Fahrgastzuwachs in der gleichen Zeit auch einen entsprechenden Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen haben. Dann hat der Busverkehr defakto keine neuen Fahrgäste gewonnen, sondern lediglich den Anteil übernommen, den der Bus eh beim Personenverkehr in Paderborn hat. Der Autoverkehr dürfte dann ähnlich zugenommen haben. Umweltschutz passiert im ÖPNV erst, wenn aktiv PKW- Fahrten vermieden werden.
—–Bei der mittleren Fahrweite wäre zu prüfen, wie sich verschiedene Fahrgastgruppen verhalten. Wie weit fahren Pendler, Rentner, Schüler, Innenstadtbesucher und Freizeitfahrgäste?
—–Bei den 20 wichtigsten Haltestellen fällt auf, dass diese in der Regel entweder in der Innenstadt liegen oder an den Linien mit einem 15 Minuten Takt. Interessant wäre eine Liste der 20 wichtigsten Haltestellen ohne die Innenstadthaltestellen, da deren Bedeutung durch die zentrale Lage vorgezeichnet ist.
—–Es ist fraglich, ob die Aussage der Studie stimmt, dass eine Verdoppelung von einem 30 Minuten Takt auf einen 15 Minuten Takt nur 10% mehr Fahrgäste bringt. Bei 100% mehr Fahrleistung für nur 10% Zuwachs würde sich die Umweltbilanz des ÖPNV verschlechtern und die Kosten pro Fahrgast deutlich erhöhen. Zur Begründung dieser Aussage wird auf „bundesweite Erfahrungswerte“ verwiesen, anstatt die Entwicklung in Paderborn zu untersuchen. Hier gibt es den 15 Minuten Takt nach Wewer, Elsen, zum Westfriedhof, nach Schloss Neuhaus und zur Uni erst seit ein paar Jahren. Hier ließe sich ganz konkret zeigen, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben. Erfahrungen mit verbesserten Fahrplänen aus dem Bereich der Schiene haben deutlich größere Zuwächse gebracht (Stand Winter 1994/95):
Karlsruhe – Bretten (Karlsruher Modell) 300%
Köln – Gummersbach (erster Citybahn- Modellversuch) 80%
Bielefeld – Paderborn ca. 20%
—–Bei der Verteilung des Verkehrsaufkommen über den Tag fällt auf, dass der Schülerverkehr eine herausragende Bedeutung hat. Die Darstellung ist ungünstig. Die Schüler hätten als oberste Gruppe im Stabdiagramm dargestellt werden müssen, damit man die Trend bei den übrigen Fahrgästen besser erkennen kann. Eine ähnliche Darstellung über die Zahl der eingesetzten Busse wäre ebenfalls interessant.
Die Tagesgang- Linie wirft aber auch viele Fragen auf. wenn Schüler und Auszubildende einen großen Anteil am Fahrgastaufkommen haben (44%), muss man sich fragen, wo diese Leute bleiben, wenn sie die Ausbildung abgeschlossen haben. Warum nehmen die nicht mehr den Bus, obwohl die doch meist Dauerkunden beim ÖPNV waren. Oder sind das alles nur die Muss-Kunden, denen es zum Autofahren alleine an Jahren und / oder Geld fehlt?
Die gleiche Frage muss auch an die anderen Fahrgäste gestellt werden:
Wer hat einen Führerschein?
Wer hat ein oder mehr Autos zu Hause und könnte, statt auf den Bus jederzeit auf dieses Fahrzeug zurückgreifen?
Wie oft nutzen die Muss- Kunden Bus und Bahn?
Wie oft nutzen Leute, die ein Auto zur Verfügung haben den Bus?
Die Muss- Kunden zu transportieren kann als sozialer Bereich des öffentlichen Verkehrs bezeichnet werden. Nur wenn auch Kann- Kunden den ÖPNV nutzen, tritt durch vermiedene Autofahrten wirklich eine Umweltentlastung ein. Gleiches gilt aber noch für die Muss- Kunden, die ohne ÖPNV von Angehörigen befördert würden. Da kann eine Busfahrt sogar 2 Autofahrten ersetzen!

In der Tagesganglinie wird auch deutlich, dass ab 19 Uhr das Verkehrsaufkommen bei Bus und Bahn fast zusammen bricht. da fast jeder Haushalt ein Auto hat, wird dieses abends, wenn man etwas gemeinsam unternehmen will, auch gebraucht. Die Studie bestätigt damit die Forderung der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) nach einem „Guten Abend Ticket“ für die PESAG (ÖDP- Bürgerantrag von 1994, 1 Monat für bis zu 5 Personen für 20 DM täglich ab 19 Uhr, Sa + So wäre mehr möglich). Auch die Kombination von Eintrittskarte und Fahrkarte, wie es die im VRR und VRS oft gibt, wäre ein Anreiz das Auto stehen zu lassen. Ein Schüler- Freizeit- Ticket für 15 DM könnte den Schülern ab 14 Uhr die Nutzung aller Busse ermöglichen, damit diese das ganze PESAG- Netz mit der Zeit kennen lernen und dadurch hoffentlich später häufiger zu Dauerkunden werden.

Die derzeitigen Angebote (Stand 1995), bei denen mehrere Personen auf einer Fahrkarte gemeinsam fahren dürfen kranken daran, dass nur 2 Erwachsen und 3 Kinder damit fahren dürfen. 5 Personen passen aber in jedes Auto und da fragt keiner, wieviele davon Kinder sind. Also sollten Zeitkarten ab 19 Uhr und Tageskarten den ganzen Tag von 5 Personen ohne Altersgrenze nutzbar sein, damit mehr Autos in der Garage bleiben.

—–Bei der Tabelle der Umwegfaktoren der Buslinien wäre ein Vergleich mit dem Autoverkehr interessant. Wie schnell ist man mit dem Auto? Ferner müsste geprüft werden, welche Potentiale zur Beschleunigung der Busfahrten vorhanden sind? Die Tabelle zeigt, dass man mit dem Fahrrad meistens schneller, als mit dem Bus ist. Beim Radfahren kann man vor der Haustüre aufsteigen und hat keine Warte- und Umsteigezeiten. Oft überholt man mit dem Fahrrad, z.T. durch gute Schleichwege, sogar den Autoverkehr. Insofern ist es schon fast verwunderlich, dass so viele junge Leute (Schüler und Auszubildende) den Bus nutzen. Es wäre in der Tabelle auch interessant wenigstens die Ringlinie 58 gesondert  aufzuführen, da man dadurch wenigstens die Reisegeschwindigkeit dieser Linie erfahren hätte.

Innenstadt und Weiterentwicklung des Busverkehrs

Es ist ja kaum zu glauben, was in der Studie für Innenstadtführungen geprüft wurden. Kaum ein Fahrgast wäre auf solche Gedanken gekommen. Es gibt letztlich nur zwei vertretbare Varianten. Die eine heißt Status Quo und die andere ist noch nie, auch nicht von dieser Studie, untersucht worden, obwohl die ÖDP dies in Bürgeranträgen (1994) gefordert hat.
Der Vorschlag der ÖDP lautet, die Busse sollen über den Le Mans Wall und Liboriberg verkehren. Damit aber für die Fahrgäste ein ungestörtes Ein- und Umsteigen möglich wird, muss dann der KFZ- Durchgangsverkehr unterbunden werden. Das klappt bereits zu jedem Liborifest, ohne dass der Autoverkehr in Paderborn kollabiert. Am Westerntor, Rosentor und Liboriberg können die Busse halten und auf einer Busspur mit 70 km/h fahren. Eine Bahnhaltestelle am Rosentor würde optimal Bus und Bahn verbinden und viele Ziele im ÖPNV leichter erreichbar machen. Auch der Wochenmarkt könnte optimal auf dem Platz zwischen neuer Bahnstation Rosentor und der neuen  Buszentralstation auf dem Liboriberg stattfinden. Besonders für alte Leute wäre der Weg vom Markt zum Bus mit mit Lebenmitteln beladenen Taschen so kurz, wie noch nie. Das Liborifest könnte auf den Maspernplatz verlegt werden, da durch das Parkhaus am Neuhäuser Tor und am Rolandsweg genügend Ausweichflächen für den ruhenden PKW- Verkehr geschaffen wurden. das werden viele als ketzerisch bezeichnen, aber wenn die Maßnahme durch eine besseren Busverkehr die Lebensqualität der Stadt hebt, sollte das weltliche Klimbim des Liborifestes auch an einen anderen Ort verlagert werden können. Ist die Verlagerung nicht möglich, kann man aber auch eine Woche im Jahr damit leben, dass die Busse nicht den besten Weg fahren können. Schließlich könnte die die Liborikapelle auf diese Weise wieder stärker in den kirchlichen Teil des Liborifestes einbezogen werden. Hier wären u.a. ein Freiluftgottesdienst oder ein deutsch-französisches Jugendzeltlager während des Liborifestes möglich. Eine Anbindung der Zentralstation entfällt bei dieser Variante. Wie in Fulda wäre es jedoch möglich, mit Kleinbussen, die auf Handzeichen oder Fahrgastwunsch überall halten, die Innenstadt über Kamp und Marienstraße alle 10 Minuten zu erschließen. In Fulda kostet das weit weniger, als die PESAG bei diesem Vorschlag für einen Umweg über die heutige Zentralstation ausgeben müsste.
Durch diesen Vorschlag der ÖDP sollen die Busse die Innenstadt bei einer guter Erschließung der City schneller durchqueren und auch für alle attraktiv werden, die von einem Stadtteil ins andere wollen und an der Innenstadt bei ihrer Fahrt kein Interesse haben.
Da ich aber in Paderborn keine Mehrheit für eine Sperrung des Le Mans Walls und Liboriberges für den Durchgangsverkehr sehe, halte ich die derzeitige Führung der Busse durch die Innenstadt für das beste, was derzeit in Paderborn umsetzbar ist. Es bleibt dann nur die Fragen warum die Bahnbusse zwecks einer besseren Verknüpfung mit den PESAG- Bussen dann nicht auch diesen Weg fahren. Schließlich behauptet die PESAG, dass eine Verlagerung der Busse von der Innenstadt auf den Ring bei den derzeitigen Verhältnissen zu Fahrgastverlusten führt. Wenn dem so ist, ist es unverantwortlich, die Busse der BVO weiter über den Ring fahren zu lassen.

—–Zur Uni sollte der Bustakt der Linien 4 und 48 verdoppelt werden auf 7,5 Minuten. Davon profitieren Studenten und Anwohner gleichermaßen und das größte Einkaufszentrum (Südring) außerhalb der Innenstadt wird so mit dieser optimal verbunden. Wendeschleifen sind am Liethstaudamm und und „Am Bahneinschnitt“  und der Schönen Aussicht vorhanden. Bei so kurzen Busfolgen wird das Fahrplanlesen überflüssig.
—–Eine Buslinie sollte alle 30 Minuten von der Uni über den Hauptbahnhof, die Ferdinandstraße, die Fürstenalle nach Schloss Neuhaus fahren (oder zur Gartenstadt Sennelager über die Hermann Löns Straße). Dadurch werden die neuen Uni-Räume im Nixdorf- Gebäude, die Studentenzimmer im Riemekeviertel und die Uni direkt verbunden.
——Auf jeden Fall sollten die Ergebnisse der Studien von Sozialdata (Postfach 701 ´829, 81316 München) zum Thema Verkehrswende mit den Gegebenheiten in Paderborn verglichen werden.
—–Auffallend ist der geringe Anteil des Freizeitverkehrs bei den Busfahrgästen. Das mag zum Teil daran liegen, dass man die Wochenenden nicht dargestellt hat. Aber es bleibt die Frage, wie sieht die analoge Verteilung beim Auto aus? Kann der Busverkehr im Freizeitverkehr noch Fahrgäste hinzu gewinnen?
—–Wie ist in Paderborn die Kenntnis der Einwohner über ihren Nahverkehr? Wissen die Leute, wo die nächste Haltestelle ist, wie oft die Busse fahren, welche Linien im 15 Minuten Takt fahren und welche Tarife es gibt? welche Fahrzeiten veranschlagen die Leute für eine Fahrt mit dem ÖPNV von Tür zu Tür und wie weit weicht dies von der realen Fahrzeit ab?
—–Wie verhalten sich Gewerkschaften, Unternehmer und Betriebsräte zum öffentlichen Verkehr? Nehmen diese beim Verhandeln und Umsetzen von Tarifverträgen und der Regelung von Arbeitszeiten Rücksicht auf die Erreichbarkeit mit Bus und Bahn? Oder hängt die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze vom Zufall ab? Durch unnötig lange Wartezeiten vor oder nach der Arbeit können viele Pendler zum Auto gedrängt werden, die durchaus das Busangebot nutzen könnten.
—–Gibt es Überlegungen, in Absprache mit Unternehmen ähnlich wie die Schulbusse Pendlerbusse einzusetzen, die allen Gelegenheitsfahrgästen zugänglich bleiben, aber gezielt den Bedarf der Betriebe bedienen? So könnten Wohn- und Industriegebiete ohne Umwege zu den Schichtwechselzeiten schnell miteinander verbunden werden. Da die Schule erst um acht beginnt, könnten die Busse, die als Schulbus gebraucht werden schon vorher als Pendlerbus verkehren.
—–Warum betreiben PESAG und BVO kein Carsharing? Dabei hält eine Gesellschaft oder ein Verein Autos vor, die von den Mitgliedern oder PESAG- Dauerkunden jederzeit gebucht werden können. Man zahlt für jede Autofahrt die vollen Kilometerkosten und spart dafür die Vorhaltungskosten für einen eigenen Wagen oder ein Zweitauto. Im Durchschnitt werden die Autos am Tag nur 40 Minuten bewegt. 1400 Minuten stehen die Autos irgendwo herum. Wer einmal ein Privatauto hat, wird wegen der hohen Fixkosten nur selten den Bus nehmen. Wer aber am Carsharing teilnimmt, wird, wann immer es geht, auf das Auto verzichten und laufen, radeln oder Bus fahren, weil er die vollen Autokosten von über 70 Pfennig / Kilometer einspart. Die Bahn kostet z.B. (1995) ohne Ermäßigung (Bahncard, Zeitkarte….) nur 25 Pfennige / Kilometer. Da kann man auch zu dritt noch den vollen Fahrpreis zahlen. Carsharing hat auch einen großen Vorteil: Man kann sich je nach Fahrt das passende Auto buchen, z.B. den Kleinbus für den Familienausflug, den Transporter für den Umzug oder den Smart für eine Fahrt alleine zum Supermarkt.
—–In die Vergabe künftiger Studien sollte die Uni Paderborn mit einbezogen werden. Die Fachbereiche Geographie, Soziologhie, Wirtschaft und Politologie sollten in solche Untersuchungen einbezogen werden, um die heimische Uni zu fördern.

Weitere Vorschläge in Stichworten:
—–Umsteigehaltestellen ausbauen, verbessern oder vorbeifahrende Linien immer halten lassen:
Elsener Straße / Heinz Nixdorf Ring (6,68,8)
Pontanusstraße (BVO, PESAG: 2,24,9,58)
Barkhauser Straße (PEDAG, BVO)
Wewer / B! (BVO, PESAG 2,24)
Kaukenberg (PESAG, Brüggenmeyer)
Sande Friedhof / B64 BVO- Halt einrichten, PESAG hält in Parallelstraße
Bus- und Basenverknüpfung in Sennelager und Paderborn Nord verbessern, Haltestelle Ausbesserungswerk für alle Züge nutzen.
Fußwege zwischen Buslinien ausschildern, etwa von der Uni Haltestelle der Linie 9 zur Unihaltestelle der Linien 4 und 48, von der Linie 3 zur Linie 2, von der PESAG in der Innenstadt zur BVO auf dem Ring und künftig in Sande und Wewer.
—-BVO-Linien von der Borchener Straße über Widukindstraße – Karlstrtaße – Kasseler Tor umleiten, damit die auf dem Ring halten und die Innenstadt besser erschließen.
—–Automaten und Imbisse / Kioske mit Fahrkartenverkauf an wichtige Haltestellen, um die Busfahrer zu entlasten.
—–Angleichung des Fahrplanwechsles von PESAG und BVO, BVO- Buslinien im Stadtbereich in die PESAG- Übersichtspläne aufnehmen
—–BVO- Busse, die vom Westen (Salzkotten, Delbrück, Hövelhof) kommen und am Hauptbahnhof enden bis zur akut nicht genutzten Wendeschleife an der „Schönen Aussicht“ verlängern zwecks Direktanbindung der Innenstadt (Libioriberg) und der Universität (Schöne Aussicht).
—–Busbrücke bei Nixdorf über die Alme, Schaffung eines westlichen Busknoten bei Nixdorf, wo sich BVO- und PESAG- Linien begegnen und nach Hövelhof, Delbrück, Büren und Salzkotten umgestiegen werden kann.
—–Markenzeichen- Design für Haltestellen schaffen, die im 15 Minuten Takt bedient werden
—–Spät- und Nachtverkehr verbessern. Auch um 0.18 Uhr sollte noch ein Nachtexpress am Hauptbahnhof stehen, der einmal die Innenstadt durchquert und dann die Fahrgäste ganz nach Bedarf zu den Haltestellen der Stadt bringt.
—–Fahrpläne, Linienplan, Tarifinformationen, Verkaufsstellen- Liste und Tipps (Wie komme ich an eine Monatskarte?) ins Telefonbuch. Das ist doch in fast jeden Haushalt.
—–Taxiruf beim Busfahrer in den Abend- und Frühstunden.
—–Preiswerte Fahrkarten für Hotel- und Feriengäste.
—–Eine Gratismonatskarte für jeden zuziehenden zum Testen der Busse, gültig 31 Tage ab einer Entwertung durch den Inhaber. das reduziert die Hürde mal den ÖPNV zu nehmen und führt zu mehr Kunden.
—–Leerfahrten verstärkt in Linienfahrten verwandeln, sofern diese regelmäßig sind (durch kleine Umwege (z. B. über Südstadt oder Nixdorf kann es so sehr interessante Spätfahrten geben), gleiches gilt für Werks- und Schülerverkehre, die für alle nutzbar werden müssen.
—–Gepäckaufbewahrung und Servicestation in der Innenstadt, Computerfahrplanauskunft in allen größeren Geschäften sowie öffentliche Uhren, um den Bus nicht zu verpassen.
—–Fahrradtransport im Bus, sofern Platz ist.
—–Fahrradständer an Haltestellen, vor allem an denen im 15 Minutentakt zur besseren Vernetzung von Bus und Rad.
—–Fahrradgaragen an Haltestellen mit Zielen weit abseits der Buslinien, wo Pendler sicher ein Rad abstellen können.
—–Ab 20 Uhr anhalten auf Wunsch
—–Beseitigung der Busbucht Winfriedstraße (4, 48), die Busse kommen dann schneller zur Ampel.
—–Heute würde ich dazu schreiben: Busanhänger und Midibusse nutzen, statt Gelenkbusse, damit das Platzangebot im Busverkehr leichter der Nachfrage im Tagesgang angepasst werden kann.
Soweit die Anmerkungen eines interessierten Bürgers zum Thema. Ich bin von der ÖDP beauftragt worden, diese Anmerkungen den Verantwortlichen vorzulegen. Ich hoffe, dass einige Anregungen in der Zukunft auch umgesetzt werden und zukünftige Studien einige Bereiche mehr untersuchen.

Ich setze mich für eine Politik ein, die auch lokal so handelt, dass diese global verantwortbar bleibt. Aufgabe der Politik muss es u.a. sein, die Fantasie der Menschen anzuregen, damit diese Wege finden, mit weniger Autofahrten auszukommen. Dafür muss natürlich auch der politisch geschaffene Rahmen verbessert werden. Die Politik hat in der repräsentativen Demokratie die Bringschuld, Schaden von den Menschen abzuwenden. Dabei müssen alle Menschen, die Heute und in Zukunft leben, berücksichtigt werden.
In diesem Zusammenhang müssen meine Forderungen nach einer Zurückdrängung des Autoverkehrs und einer Bevorzugung des Umweltverbundes gesehen werden. Denn eine Gesellschaft, die Vorbvild für die Entwicklung der ganzen Welt sein will, muss sparsam mit den Ressorcen umgehen. Alleine in Nordrhein Westfalen gibt es (1995) mehr Autos, als in ganz Afrika. Da die ganze Welt nie so leben könnte, wie wir es derzeit tun, muss sich unser Lebensstil ändern, Diesen Bewusstseins- und Verhaltenswandel herbeizuführen ist die oberste Aufgabe aller verantwortungsbewussten Menschen. Über den Weg dahin kann man streiten, nicht aber über das Ziel. Ein wenigwer an Ressourcenverbrauch und intelligenterer Lebensstil haben aber nichts mit Verzicht zu tun, da wir durch das abwerfen unnötigen Balastes oft viel mehr gewinnen, als wir aufgeben. Über die Details des weges kann man streiten, nicht aber über das Ziel, da alle anderen Ziele zum Riun des Ökosystemes erde führen.
Leider zeigen die vielen neuen Parkhäuser in Pasderborn (Rolandsweg, marktkauf, Liboripassage, Neuhäuser Tor) und der anhaltende Straßenbau ein anderes Ziel auf.
Da ich im die grenzen der kommunalen Handlungsmöglichkeiten weiß, habe ich bemüht, viele kleinere regionalmachbare Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die zur Förderung des Allgemeinwohls von jeder politischen Richtung umsetzbar sind.

Mit bstem Gruß, Felix Staratschek, damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause.

Was ist uns die Bahn wert? / Neue Westfälische vom 28.11.1989

Betrifft: NW-Bericht: „Das kennt jede(r): Im Stau stecken, wenn mans eilig hat“ in der Ausgabe vom 21. November 1989

Es ist ein Teufelskreis. Steht der Bus im Stau, fahren wenig Leute mit ihm, fahren wenig Leute mit dem Bus, verstärkt dies den Stau durch mehr Autofahrten. Nun gibt es aber ein Verkehrsmittel ohne Stauungen, die Eisenbahn. Diese weist im Nahverkehr (Stand 1989!) noch immer große Fahrplanlücken auf und wird dadurch unattraktiv. Auch die ständig steigenden Fahrpreise, welche den Fahrgast für sein umweltfreundliches Verhalten bestrafen, sind kein Anreiz zum Umsteigen, solange das Benzin so billig bleibt.

Moderne Triebwagen können alle halben Stunden Paderborn mit Warburg, Höxter, Hövelhof, Büren, Bielefeld und Soest verbinden. Busse binden die Orte abseits der Bahnlinien an den Schienenverkehr an oder übernehmen in Paderborn die Feinverteilung der Fahrgäste. Alle Haltestellen erhalten viele Fahrradständer und wenn nötig Park & Ride- Plätze. Ein neuer Haltepunkt Rosentor bedient die Innenstadt. So nah kommt kein Autofahrer ohne Parkplatzsorgen an die Innenstadt, erst recht nicht zu Libori.

Die hier beschiebene Eisenbahn ist in den Niederlanden und der Schweiz bereits Realität. In der Schweiz stieg der Anteil der Bahn von 22 auf 30% zu Lasten des Autoverkehrs. Ein weiterer Ausbau des Schienenverkehrs soll den Marktanteil weiter erhöhen.

Wann entdecken endlich die regierenden Politiker, dass nicht der Flughafen Ahden oder die Autobahn wichtig sind, sondern eine gute Eisenbahn, die für alle Bürger zu jeder Zeit benutzbar ist. Ich bin noch nie geflogen (einmal ist es mittlerweile doch passiert, weil ich bei einer gewonnen Reise mitgenommen wurde).  Der Autoverkehr belastet jeden. deshalb dient die Bahn allen, wen diese den Autoverkehr reduziert. Und im Gegensatz zu Flugzeugen fährt die Bahn auch dort, wo man oft hin muss. Die Schweizer wissen was ihnen die Bahn wert ist in einer Volksabstimmung haben sie mit Mehrheit für das flächendeckende Ausbauprogramm „Bahn 2000“ gestimmt. Und was ist uns die Bahn wert?

Abs. Felix Staratschek für den Fahrgastverband Pro Bahn e.V., damals wohnhaft im Riemekeviertel in Paderborn

Die Qualität der Schweizer Bahn ist eine Folge der direkten Demokratie! da alle größeren Projekte einer Zustimmung durch das Volk bedürfen, wenn da Steuergelder für fließen sollen, vermeidet die Schweizer Politik einen Großteil der Prestigeprojekte, mit denen die Gelder für unsere Verkehrspolitik verprasst werden und durch ausbleibenden oder zu niedrigen Nutzen die Staatsverschuldung mit nach oben getrieben wird.

Konkrete ÖDP- Vorschläge: Nahverkehr koordinieren / Pressemeldung in der NW vom 04.04.1996

Die neue Westfälische in Paderborn brachte am 04.04.1996 folgende Meldung mit Vorschlägen, Wewer und Sande deutlich besser an den Busverkehr ins Umland anzubinden. In beiden Orten führen Buslinien auf Bundesstraßen dicht an den Siedlungen vorbei, ohne zu halten.

Der verkehrspolitische  Sprecher der Ökologisch Demokratsichen Partei (ÖDP) Paderborn hat eine bessere Koordination der Bus- und Bahnlinien  gefordert. Es habe keinen Sinn, mit schnellen Bussen lediglich parallel zu noch schnelleren Zügen zu fahren. Dies sei der Fall auf den Buslinien von Paderborn nach Hövelhof und von Paderborn nach Salzkotten – Geseke über die B 1. Nach Ansicht der ÖDP sollten die Fahrten Salzkotten – Paderborn statt über die B 1 über Wewer geführt werden und mit den Buslinien der PESAG (heute Padersprinter) zu einer durchgehenden Buslinie verknüpft werden. Auch die Hövelhofer Busse sollten zu einer Linie mit der PESAG- Linie Sennelager – Paderborn zusammengelegt werden. Da die Schnellfahrten durch die Eisenbahn hier abgedeckt seien, sei es überflüssig die BVO- Busse mit nur wenigen Halten durch Paderborn fahren zu lassen.

Desweiteren schlägt der ÖDP- Verkehrsexperte vor, die Buslinie Paderborn – Wewer – Büren über Borchen zu führen. Das würde den Innerortsverkehr zwischen Borchen und Alfen deutlich verbessern. An der Buslinie Paderborn – Delbrück fordern die Ökologen eine Bushaltestelle auf der Bundesstraße am Friedhof Sande. (Dort ist an der Bundesstraße eine Unterführung für Fußgänger vorhanden, so dass Fahrgäste auf beiden Seiten der Straße genau hier eine Haltestelle geboten werden muss. Die Busse vom Padersprinter halten in einer Parallelstraße, so dass hier leicht umgestiegen werden könnte. 16 Jahre nach dieser Meldung fahren die BVO- Busse noch immer an der größeren Siedlung Sande ohne Halt vorbei und haben so weniger Fahrgäste und Einnahmen. Auch von Wewer muss man zuerst nach Paderborn fahren, um nach Salzkotten gelangen zu können.)

Eine der wichtigsten Buslinien für einen Stadtbahnvorlaufbetrieb, so der verkehrspolitische Sprecher der ÖDP, Felix Staratschek, sei die BVO- Buslinie Paderborn – Bad Lippspringe – Schlangen. Diese Linie sollte mit der PESAG- Linie 3 zusammengelegt werden und einen 15- Minuten- Takt anbieten. Dies sein bei den hier vorgeschlagenen Abbau von Parallelfahrten von PESAG- und BVO- Linien durch gemeinsame Busumläufe auf gemeinsam betriebenen Linien ohne Mehrkosten zu finanzieren.

 

Paderborn 2010 – Eine Vision zur Stadtentwicklung aus dem Jahr 1994

Dieser Text wurde in der Juni- Ausgabe der Zeitschrift SCHIENE 1994 veröffentlicht. Wahrscheinlich müsste er heute fast unverändert „Paderborn 2030 heißen.

Von Felix Staratschek

Die Wochenendplanung ist nicht einfach. Nein, nicht deshalb, weil ich wie immer mehr Paderborner kein eigenes Auto besitze, sondern weil die vielen Möglichkeiten, die sich einem anbieten, die Entscheidung erschweren. An die schrecklichen Zeiten von 1994 erinnern sich die Paderborner nur mit Schaudern zurück. Heute ist das ganze Hochstift aber von einem guten öffentlichen Verkehr erschlossen. Selbst die Streusiedlung um Delbrück wird mit einem Anrufsammeltaxi alle halbe Stunde erschlossen. Die neue Buslinie Hövelhof – Delbrück – Salzkotten fährt ebenso häufig, um ein Beispiel zu nennen. Das Fahrrad ist ein wichtiger Zubringer zur Buslinie. Bei vielen Bauernhöfen können Pendler und andere Fahrgäste ihr Rad für 1 DM oder eine Jahreskarte von 100 DM sicher unterstellen. Bis um Mitternacht fahren von Paderborn Busse und Anrufsammeltaxen in alle Nachbarorte ab. Am Wochenende gibt es bis 2 Uhr noch Nachtfahrten.

Aber nun zum wichtigsten. Während mittlerweile in der Stadt Radfahrer und Fußgänger dominieren, ist das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs der Schienenverkehr. Dieser bietet mehr Komfort als Straßenfahrzeuge und er bietet auf ausgebauten Strecken schnelle Regionalverbindungen. Neue kleine Triebwagen sausen von Haltestelle zu Haltestelle. Durch Automatikkupplungen können die schnell zu kleinen Zügen zusammengestellt werden. es wird heute nicht mehr an allen Haltestellen ständig gehalten. Trotzdem wurden viele geschlossene Bahnhöfe wieder geöffnet. Bedarfshaltestellen, bei denen der Triebwagen nur hält, wenn jemand am Bahnsteig oder im Zug den Haltewunschknopf drückt, ermöglichen es, viele Orte wieder an die Schiene anzubinden.

In Paderborn fahren die Triebwagen meist als Doppel-oder Dreiereinheit ab. So fährt die Sennebahn zwischen Paderborn und Hövelhof immer zeiteilig. In Hövelhof werden die Züge getrennt, ein Triebfahrzeug fährt weiter nach Bielefeld, das andere nach Gütersloh. Große digitale Zuglaufschilder verhindern, das Fahrgäste den falschen Wagen besteigen.

Von Paderborn nach Brilon Wald wird auch sehr oft im Zugverband gefahren. So gibt es des öfteren Züge aus drei Triebwagen, von denen einer ab Brilon Wald nach Arnsberg, einer nach Winterberg und einer über Korbach nach Marburg fährt. In Winterberg haben die Fahrgäste Anschluss zum Schnellbus nach Bad Berleburg, wo der Eilzug nach Siegen schon am Bahnsteig wartet. So schnell und preiswert, wie heute, konnte man das Siegerland von Paderborn aus noch nie erreichen. Besonders wichtig für den Tourismus im Sauerland sind die Eiltriebwagen Bremen – Bielefeld – Winterberg. In Bielefeld hat der Triebwagen Anschluss an den ICE von Berlin. Umgekehrt fahren Küstenurlauber mit diesem Zug aus dem Sauerland und Ostwestfalen nach Norden.

Auch aus Richtung Osten ist der Verkehr besser geworden. Die Bahnstrecke Altenbeken – Ottbergen – Nordhausen wurde elektrifiziert. Mehrmals Täglich verbinden Pendolinizüge Paderborn mit Halle. Um die Bahnstrecke Paderborn – Soest zu entlasten, wurde die Obere Ruhrtalbahn und die Strecke Scherfede – Holzminden für den Güterverkehr und Fernzüge elektrifiziert und das zweite Gleis wieder hergestellt. Fast wären die Grundstücke, auf denen das zweite Gleis früher verlief, von der Eisenbahnvermögensverwaltung verkauft worden, aber Proteste vom VCD, dem ADFC und von PRO BAHN konnten das zum Glück verhindern.

Zwischen Paderborn und Altenbeken fahren jetzt oft sechs Triebwagen als Zug. In Altenbeken werden die Triebwagen nach Hannover (über Hameln), nach Herford (über Detmold) und nach Kassel (über Warburg) abgekuppelt. Der Zug Richtung Warburg hat zahlreiche Bedarfshaltestellen in der Egge. Die Züge nach Herford werden ab Detmold von weiteren Triebwagen verstärkt, damit alle Fahrgäste einen Platz finden. In Ottbergen fährt ein Triebwagen weiter nach Höxter und Kreiensen. Die beiden anderen Triebfahrzeuge bleiben noch bis Bodenfelde zusammen, wo eines nach Göttingen, das andere nach Northeim und Nordhausen fährt. Auf allen zweigleisigen Strecken fährt die Bahn durchgehend im 30 Minutentakt, auf anderen Strecken mindestens im Stundentakt. darüber hinaus gibt es noch Eilzüge.

Früher hätte so ein Angebot niemand bezahlen können. Aber die Bahn wurde, nachdem die Bundesregierung ein Investitionsprogramm auflegte und die Länder und die Kreise sich daran beteiligten, so modernisiert, dass diese viel wirtschaftlicher fahren kann. Die Triebwagenzüge können optimal der nachfrage angepasst werden. Sie belegen, obwohl sie verschiedene Ziele anfahren, auf stark befahrenen Streckenabschnitten nur eine Fahrplantrasse. Statt wie heute alle 2 Stunden kann man nun alle 30 Minuten nach Hannover fahren. Die Bahn war zwar auch früher schon ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber ein viel zu großer Zug mit nur wenigen Fahrgästen verbraucht pro Kopf auch viel Energie. Die Triebwagen sind viel sparsamer als der alte Zug und sprechen durch den dichten Fahrplan viel mehr Fahrgäste an.

Heute macht man sich Gedanken, wie man die Bahnstrecke nach Rheda Wiedenbrück wieder aufbauen kann. Die PESAG (heute der Padersprinter) baut ja noch kräftig an ihrem Straßenbahnnetz. Sie plant derzeit Delbrück und Wartendorf bis Münster zu fahren, um mit den im Aufbau befindlichen Straßenbahnen in Münster eine Verbindung herzustellen.

Wenn ich heute in Paderborn zum Bahnhof gehe, ist da ein reges Leben. Wegen der vielen Bahnfahrgäste wurde die Bahnhofstraße zwischen Hauptbahnhof und Westerntor zur Fußgängerzone. Der Einzelhandelsverband fordert trotz des guten Bus-, Straßenbahn- und Zugangebotes weitere Fahrten und eine Reduzierung der Parkplatzmenge in der Stadt, da der Platz viel sinnvoller für eine attraktive Stadtgestaltung genutzt werden könnte. Die Zahl der Autofahrer unter den Einkäufern ist mit 10% nur noch sehr gering. Zum Liborifest müssen die Triebwagenzüge regelmäßig verstärkt werden. Besonders Touristen im Sauerland nutzen gerne die Sonderrückfahrkarten zum Liborifest. Früher war es nicht möglich, ohne Stau und Stress mit soviel Komfort schnell nach Paderborn zu kommen. heute sind Kunden aus dem Sauerland in Paderborn keine Seltenheit.

Da auch in Paderborn die Menschen auf die Vorteile eines Autos nicht verzichten wollen, beteiligen sich die meisten Menschen, die ihr Auto aufgegeben haben, am Carsharing. Die Carsharing Organisation hält für je 20 Mitglieder ein Auto vor. Wer ein Auto braucht, kann spontan eines telefonisch buchen (heute ist das mit dem Internet noch leichter). Es gibt eine große Auswahl, je nachdem wofür das Auto gebraucht wird. Der Einsitzer für die Einzelreise, der Kleinbus für den großen Familienausflug oder der Transporter für den Umzug stehen jederzeit zur Verfügung. Wenn man Pech hat, muss man mal 2 km mit dem Fahrrad fahren, wenn am nahen Standort der gewünschte Wagen nicht verfügbar ist. Für jede Autofahrt zahlt man die vollen Autokosten, die bei keinem Wagen unter 80 Pfennig je Kilometer liegen. Dafür spart man die Fixkosten eines eigenen Autos ein. Der Normaltarif der Bahn ist mit 25 Pfennigen / Kilometer weitaus preiswerter. Noch weniger kosten Zeitkarten oder mit der Bahncard gekaufte Fahrkarten.

Paderborn ist eine ruhige, aber lebendige Stadt geworden. Wenn man einmal Auto fahren muss, hat man freiemStraßen, weil das Fahrrad und der öffentliche Verkehr sowie das Laufen die wichtigsten Verkehrsarten geworden sind. Dank des geringen Autoverkehrs sind die Unfallzahlen enorm zurück gegangen. Im letzten Jahr ist niemand in der Stadt im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Die Busfahrer haben beim Fahren viel weniger Stress und Gesundheitsbelastungen und sind dadurch noch viel freundlicher geworden. Mann kann sich auf der Straße wieder unterhalten, ohne gegen den Verkehrslärm anbrüllen zu müssen. Derzeit streitet der Stadtrat wofür man das in den 90er Jahren gebaute Parkhaus am Neuhäuser Tor umwidmen könnte.

Die Industrie hat die Verkehrswende besser verkraftet, als andere es vorhergesagt haben. Um den öffentlichen und Fahrrad- Verkehr sind eine Menge an Service- und Zulieferbetrieben entstanden. Die Schienenfahrzeuge sind im Gegensatz zum Transrapid, der in den 90 Jahren das Wunderkind im Verkehrsbereich sein sollte, wegen der guten Betriebserfahrungen zu einem wichtigen Exportprodukt geworden. Die Benteler- werke sind einwichtiger Zulieferer für Lokomotiven, Windräder und Solarzellen geworden. Nixdorf liefert Steuerungen für die Regenassernutzung, die in Neubaugebieten vorgeschrieben wurde, ebenso die Zuglaufschilder. Blockheizkraftwerke liefern in den neuen Siedlungen Strom und Nahwärme. Die Häuser dürfen nur noch so gebaut werden, dass die Sonnenenergie passiv und aktiv genutzt werden kann. Die Solartenergieinitiative hat bundesweit vollen erfolg gehabt und der deutschen Wirtschaft eine Spitzenstellung ermöglicht. Züge und Busse haben heute solarzellen auf dem Dach, die nebenbei die die Sonnenhitze abfangen. Die Bahnsteige sind mit Solarzellen gegen Regen geschützt und große Glasflächen dienen als Solarkraftwerk. Das Vorbild dieser Politik macht auch in anderen Ländern Schule. Auch Entwicklungsländer setzen im Verkehr wieder auf die Schiene und profitieren von dem Solar- Entwicklungshilfeprogramm der Bundesregierung. So ist es gelungen, den CO2- Ausstoß trotz des noch immer anhaltenden Bevölkerungswachstums bei steigenden Wohlstand in der dritten Welt zu senken. Aber auch die Wachstumsraten bei der Weltbevölkerung sind durch gerechtere Welthandelsstrukturen deutlich gesunken.

Ja, heute im Jahr 2010 ist zwar nicht alles gut, aber an die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts denkt man heute mit Grausen zurück. Und wieviel Widerstand gab es gegen diese Entwicklung zum Guten?

Was stand heute noch in der Zeitung? Ach ja, der ADAC hat die zwei- Millionen – Mitglieder- Grenze unterschritten. Die Menschen brauchen einfach keine Schutzbriefe mehr. Der ADAC will nun seinen Service für Bahn- und Radfahrer deutlich ausweitenn und so den Trend wieder umkehren. Aber ob er da gegen die viel größeren Gruppen VCD, ADFC und PRO BAHN eine Chance hat?

Mein Beitrag zur Einführung des Hövelhofer Ortsbusses im Mai/ Juni 1996

Als in Hövelhof der Ortsbus eingeführt werden sollte, stellten sich CDU und Grüne in Hövelhof dagegen. Dank der Paderborner Presse (Neue Westfälische und Westfalenblatt) konnte ich als Verkehrspolitiker der ÖDP mehrere Marksteine für den Ortsbus setzen. Diese dürften auch den Nahverkehrsverbund Paderborn Höxter bewogen haben, für 3 Jahre das mögliche Defizit zu übernehmen, damit sich Hövelhof zu diesem Schritt traut. Auf allen Texten wurde auch die ÖDP erwähnt. Die Entwicklung der Ortsbusnutzung hat alle meine Vorhersagen erfüllt, so dass die Realisierung dieses Buskonzeptes einer meiner größten Erfolge ist.

Leserbrief:

Westfalen Blatt vom 21.05.1996: Ortsbus eine einmalige Chance

Neue Westfälische vom 29.05.1996 Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund
zu NW vom 11. Mai 1996

Das ist für die Gemeinde Hövelhof eine einmalige Chance. Von Montag bis Freitag sollen Stadtbusse alle zwei Stunden die Gemeinde erschließen.
Da dieses neue Bussystem aus dem derzeitigen Schulbussystem entwickelt wurde, fallen jährlich nur 60.000 Euro Mehrkosten an. Diese werden aber durch jeden neu gewonnen Fahrgast verringert. Die Gemeinde Hövelhof meint nun, dass sie dieses Geld erst im neuen Haushalt auftreiben könne.
Das kann doch nicht das Problem sein, wo derzeit schon 600.000 DM für die Schulbusse aufgewendet werden müssen. Wenn der Hövelhofer Rat das Geld erst im neuen Haushalt bereitstellen kann, bezahlt man den Bus eben erst im Januar. Wenn die Busbetreiber wissen, dass das Geld auf jeden Fall kommt, können die auch schon im August den Busverkehr aufnehmen. Auch bei Einkäufen muss man teure Sachen nicht immer sofort bezahlen. Der Händler ist zufrieden, wenn das Geld zu einer vereinbarten Zeit gezahlt wird. Wenn der Rat den Bus wirklich will, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum der nicht schon ab August fahren kann.

Einige Kleinigkeiten könnten den Erfolg des Ortsbusses verbessern:

1.) Bei einem Zwei- Stundentakt sind längere Wartezeiten unvermeidbar. Deshalb ist ein rauchfreier Warteraum notwendig. Dieser kann im Rathaus, im Bahnhof, in einem Schulfoyer oder ohne Speisezwang in einer Gaststätte eingerichtet werden. Hier sollen Schüler die Hausaufgaben beginnen können oder Pendler ihre Tageszeitung oder ein Buch lesen können. Bei kalter oder feuchter Witterung ist es wichtig, dass die Fahrgäste einen solchen Raum vorfinden.

2. Die Gemeinde Hövelhof sollte zusammen mit gesellschaftlichen Gruppen (Kirchen, Schützen, JU…) Buswanderwege ausweisen. Ideal sind Wanderwege von den Haltestellen zurück nach Hövelhof. Ein Prospekt, der Freizeittipps zum Ortsbus enthält, wäre denkbar.

3. Es sollte nach Wegen gesucht werden, wie der Ortsbus auch samstags vormittags fahren kann. Denkbar wäre ein samstäglicher Bürgerbus, der von den Einzelhändlern organisiert wird und den gleichen Fahrplan einhält, wie der Ortsbus. Denkbar wäre auch, den Ortsbus am Mittwochnachmittag einzustellen und dafür an Samstagen fahren zu lassen.

4. Eine Hövelhofer Ortsbusgesellschaft könnte Aufträge aus den Nachbargemeinden annehmen und Busse zu Sonderfahrten anbieten. So wäre eine Zusammenarbeit mit Diskotheken und Veranstaltern (Kirmes, Schützenfest, Hövelmarkt) möglich, um deren Verkehrsprobleme zu lösen. Das brächte zusätzliche Einnahmen.

Abs.
Felix Staratschek, damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause und Mitglied im AK. Verkehr der ÖDP.

Nachdem der Rat der Gemeinde trotzdem den Ortsbus ablehnte, brachte die Neue Westfälische am Mittwoch den 5. Juni 1996 folgende Pressemitteilung der ÖDP:

ÖDP bedauert Hövelhofer Ratsentscheidung

Ortsbus hätte Vorbildfunktion

Mit Unverständnis hat die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) in Paderborn auf die Entscheidung, den Ortbus in Hövelhof dieses Jahr nicht mehr einzuführen, reagiert. Da dieses Projekt einen Vorbildcharakter für andere Orte habe, verzögere dies auch die Verwirklichung von Ortsbussystem in anderen Gemeinden, meinte Felix Staratschek vom ÖDP- Arbeitskreis Verkehr.

Da der Ortsbus monatlich nur 5.000 DM koste, wären für 1996 nur noch 20.000 DM notwendig. Die Gemeinde Hövelhof plane in nächster Zeit Investitionen von 1,9 Mio. DM für das Straßennetz. Nur 3 Prozent dieses Betrages seien jährlich nötig, wenn niemand den Bus nutzen würde.

Nach Ansicht der ÖDP besten gute Chancen, dass ein Großteil des Zuschusses durch Fahrgeldeinnahmen bezahlt werden könnte. Denn Auszubildende, Lehrer, Schüler, die Freunde im Umland besuchen wollen. ältere Leute und Familienangehörige ohne Zweitwagen würden als zahlende Neukunden „den Bus freudig begrüßen“. Auch der eine oder andere Autofahrer könnte den Bus nutzen, wenn Betriebe und Verwaltungen die Arbeitszeiten so legen würden, das der Bus von Pendlern genutzt werden könnte. Staratschek: „Einhundert durch den Ortsbus zusätzlich verkaufte Jahreskarten würden die Mehrkosten bereits decken.“ Statt eines Zuschusses könnte die Gemeinde auch Monatskarten erwerben und durch den ermäßigten Verkauf dieser Karten einen teil der Ausgaben wieder hereinholen und den Erfolg des Ortsbusses steigern.

Die ÖDP sehe im Ortsbus Hövelhof „zwar kein optimales Angebot“, da dieser nur alle zwei Stunden fahre. er stelle aber einen „guten Kompromiss zwischen Wünschenswerten und machbaren und eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status Quo dar“. Angesichts der Förderung und Schattensubventionen, die der Autoverkehr bis heute genieße. könne die ÖDP nicht verstehen, „dass nicht einmal diese preiswerte Grundversorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Menschen angeboten wird“.

Im Oktober 1997 endete meine Zeit in Paderborn. Aber es gab 1998 einen Landesparteitag der ÖDP in der Jugendherberge in Paderborn. Dabei viel mir eine Pressemitteilung der Neuen Westfälischen in die Hand (Sa. 5.09.1998):

Erwartungen Übertroffen / Schülerbeförderungskosten sinken

Ortsbus schreibt bereits schwarze Zahlen

Statt 40.000 Euro vorgesehenen Zuschuss brachten der Barverkauf im Bus und gesetzliche Ausgleichszahlungen des Landes (Schülertransport, Freifahrt für Behinderte) so viel Geld ein, dass der Ortbus mit seinem erweiterten ÖPNV- Angebot die Gemeinde weniger belastet, als ein reines Schulbussystem. Während 1996 noch 617.000 DM für den Schülerverkehr aufgewendet wurden, konnte nun der Ansatz für 1999 auf 596.000 DM reduziert werden, so das 21.000 DM oder 3,4% der Kosten eingespart werden konnten.
Der Gemeindedirektor Werner Thor in der NW:
„Damit haben wir sogar unsere ursprünglichen Vorstellungen bei der Einführung des Ortsbusses übertroffen, wonach die bis dahin aufgewendeten hohen Kosten für eine Schülerbeförderung sinnvoller genutzt werden sollten, nämlich für einen öffentlichen Personennahverkehr, den alle Bürger nutzen können. Jetzt sparen wir sogar allgemeine Haushaltsmittel durch den Ortsbus.“
Ich bin gespannt, wann ich diese Worte aus dem Munde unseres Radevormwalder Bürgermeister Dr. Josef Korsten höre.
Dies zeigt aber auch, dass kleinste politische Gruppen etwas bewegen können, wenn sich die Zeitungen nicht scheuen, deren gute Ideen der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Leider ist das eher die Ausnahme als die Regel. Aber dieser ÖDP- Erfolg zeigt, wie schädlich das Ausblenden guter Ideen von politischen Außenseitern für die Gesellschaft sein kann. Ohne die der ÖDP wohlgesonnene Presse in Paderborn wäre es vielleicht nicht zum Ortsbus gekommen. Zum 5-jährigen Jubiläum des Ortsbusses bekam ich überraschend eine Festschrift nach Radevormwald zugesandt. Da hat doch tatsächlich jemand meine Adresse hier ermittelt und es für nötig befunden, mir diese Broschüre zuzusenden. Traurig ist, wie wenig Nachahmung dieses Hövelhofer Ortsbuskonzept bisher gefunden hat. Hier liegt noch eine wichtige Möglichkeit brach, mit geringen Aufwand in vielen Gemeinden eine Grundversorgung im ÖPNV zu schaffen. Leider konnte ich bisher keine eigene Internetseite des Hövelhofer Ortsbusses finden, die das Konzept vorstellt und zur Nachahmung einlädt.