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Rainessance des Zebrastreifens? Wochenspiegel in Paderborn vom 21.06.95

Immer seltener wird auf unseren Straßen der Zebrastreifen. Aber warum sollte diese Einrichtung, ähnlich wie der Kreisverkehr nicht wieder modern werden? In England gibt es nicht nur viele Kreisverkehre, sogar auf Autobahnen, es gibt dort auch Zebrastreifen auf Hauptstraßen.

Selbst in London bleibt der Verkehr abrupt stehen, wenn ein Fußgänger sich vor einen Zebrastreifen stellt. Im Gegensatz dazu müssen in Deutschland an Straßen und Fußgängerinseln die Fußgänger oft recht lange auf die nächste Verkehrslücke warten. Was spricht in der Bundesrepublik dann gegen den Zebrastreifen, fragt die heimische Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP)?

Natürlich können Zebrastreifen nicht alle Ampeln ersetzen. Aber es wäre doch denkbar, an zahlreichen weiteren Stellen auf die einfachste Weise den Fußgängern und Radfahrern Vorrang vor dem Autoverkehr zu geben. Wenn sich das bewährt, kann auch überlegt werden, welche Ampeln Überflüssig werden.

Der Zebrastreifen, so die ÖDP, sei wartungsarm und ohne Energieverbrauch. Außerdem müssten Fußgänger an kaum befahrenen Straßen nicht mehr sinnlos vor einer roten Ampel stehen. Bei rücksichtsvollen Autofahrern wäre der Zebrastreifen die optimale Lösung. Zunächst hat die ÖDP einen Brief an Ministerien, ADAC, VCD, ADFC und andere Verbände geschickt, um deren Meinung bezüglich der Zebrastreifen einzuholen.

Kontakt: ÖDP Paderborn, Felix Staratschek, damals in der Riemekestraße zu Hause

Paderborn 2010 – Eine Vision zur Stadtentwicklung aus dem Jahr 1994

Dieser Text wurde in der Juni- Ausgabe der Zeitschrift SCHIENE 1994 veröffentlicht. Wahrscheinlich müsste er heute fast unverändert „Paderborn 2030 heißen.

Von Felix Staratschek

Die Wochenendplanung ist nicht einfach. Nein, nicht deshalb, weil ich wie immer mehr Paderborner kein eigenes Auto besitze, sondern weil die vielen Möglichkeiten, die sich einem anbieten, die Entscheidung erschweren. An die schrecklichen Zeiten von 1994 erinnern sich die Paderborner nur mit Schaudern zurück. Heute ist das ganze Hochstift aber von einem guten öffentlichen Verkehr erschlossen. Selbst die Streusiedlung um Delbrück wird mit einem Anrufsammeltaxi alle halbe Stunde erschlossen. Die neue Buslinie Hövelhof – Delbrück – Salzkotten fährt ebenso häufig, um ein Beispiel zu nennen. Das Fahrrad ist ein wichtiger Zubringer zur Buslinie. Bei vielen Bauernhöfen können Pendler und andere Fahrgäste ihr Rad für 1 DM oder eine Jahreskarte von 100 DM sicher unterstellen. Bis um Mitternacht fahren von Paderborn Busse und Anrufsammeltaxen in alle Nachbarorte ab. Am Wochenende gibt es bis 2 Uhr noch Nachtfahrten.

Aber nun zum wichtigsten. Während mittlerweile in der Stadt Radfahrer und Fußgänger dominieren, ist das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs der Schienenverkehr. Dieser bietet mehr Komfort als Straßenfahrzeuge und er bietet auf ausgebauten Strecken schnelle Regionalverbindungen. Neue kleine Triebwagen sausen von Haltestelle zu Haltestelle. Durch Automatikkupplungen können die schnell zu kleinen Zügen zusammengestellt werden. es wird heute nicht mehr an allen Haltestellen ständig gehalten. Trotzdem wurden viele geschlossene Bahnhöfe wieder geöffnet. Bedarfshaltestellen, bei denen der Triebwagen nur hält, wenn jemand am Bahnsteig oder im Zug den Haltewunschknopf drückt, ermöglichen es, viele Orte wieder an die Schiene anzubinden.

In Paderborn fahren die Triebwagen meist als Doppel-oder Dreiereinheit ab. So fährt die Sennebahn zwischen Paderborn und Hövelhof immer zeiteilig. In Hövelhof werden die Züge getrennt, ein Triebfahrzeug fährt weiter nach Bielefeld, das andere nach Gütersloh. Große digitale Zuglaufschilder verhindern, das Fahrgäste den falschen Wagen besteigen.

Von Paderborn nach Brilon Wald wird auch sehr oft im Zugverband gefahren. So gibt es des öfteren Züge aus drei Triebwagen, von denen einer ab Brilon Wald nach Arnsberg, einer nach Winterberg und einer über Korbach nach Marburg fährt. In Winterberg haben die Fahrgäste Anschluss zum Schnellbus nach Bad Berleburg, wo der Eilzug nach Siegen schon am Bahnsteig wartet. So schnell und preiswert, wie heute, konnte man das Siegerland von Paderborn aus noch nie erreichen. Besonders wichtig für den Tourismus im Sauerland sind die Eiltriebwagen Bremen – Bielefeld – Winterberg. In Bielefeld hat der Triebwagen Anschluss an den ICE von Berlin. Umgekehrt fahren Küstenurlauber mit diesem Zug aus dem Sauerland und Ostwestfalen nach Norden.

Auch aus Richtung Osten ist der Verkehr besser geworden. Die Bahnstrecke Altenbeken – Ottbergen – Nordhausen wurde elektrifiziert. Mehrmals Täglich verbinden Pendolinizüge Paderborn mit Halle. Um die Bahnstrecke Paderborn – Soest zu entlasten, wurde die Obere Ruhrtalbahn und die Strecke Scherfede – Holzminden für den Güterverkehr und Fernzüge elektrifiziert und das zweite Gleis wieder hergestellt. Fast wären die Grundstücke, auf denen das zweite Gleis früher verlief, von der Eisenbahnvermögensverwaltung verkauft worden, aber Proteste vom VCD, dem ADFC und von PRO BAHN konnten das zum Glück verhindern.

Zwischen Paderborn und Altenbeken fahren jetzt oft sechs Triebwagen als Zug. In Altenbeken werden die Triebwagen nach Hannover (über Hameln), nach Herford (über Detmold) und nach Kassel (über Warburg) abgekuppelt. Der Zug Richtung Warburg hat zahlreiche Bedarfshaltestellen in der Egge. Die Züge nach Herford werden ab Detmold von weiteren Triebwagen verstärkt, damit alle Fahrgäste einen Platz finden. In Ottbergen fährt ein Triebwagen weiter nach Höxter und Kreiensen. Die beiden anderen Triebfahrzeuge bleiben noch bis Bodenfelde zusammen, wo eines nach Göttingen, das andere nach Northeim und Nordhausen fährt. Auf allen zweigleisigen Strecken fährt die Bahn durchgehend im 30 Minutentakt, auf anderen Strecken mindestens im Stundentakt. darüber hinaus gibt es noch Eilzüge.

Früher hätte so ein Angebot niemand bezahlen können. Aber die Bahn wurde, nachdem die Bundesregierung ein Investitionsprogramm auflegte und die Länder und die Kreise sich daran beteiligten, so modernisiert, dass diese viel wirtschaftlicher fahren kann. Die Triebwagenzüge können optimal der nachfrage angepasst werden. Sie belegen, obwohl sie verschiedene Ziele anfahren, auf stark befahrenen Streckenabschnitten nur eine Fahrplantrasse. Statt wie heute alle 2 Stunden kann man nun alle 30 Minuten nach Hannover fahren. Die Bahn war zwar auch früher schon ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber ein viel zu großer Zug mit nur wenigen Fahrgästen verbraucht pro Kopf auch viel Energie. Die Triebwagen sind viel sparsamer als der alte Zug und sprechen durch den dichten Fahrplan viel mehr Fahrgäste an.

Heute macht man sich Gedanken, wie man die Bahnstrecke nach Rheda Wiedenbrück wieder aufbauen kann. Die PESAG (heute der Padersprinter) baut ja noch kräftig an ihrem Straßenbahnnetz. Sie plant derzeit Delbrück und Wartendorf bis Münster zu fahren, um mit den im Aufbau befindlichen Straßenbahnen in Münster eine Verbindung herzustellen.

Wenn ich heute in Paderborn zum Bahnhof gehe, ist da ein reges Leben. Wegen der vielen Bahnfahrgäste wurde die Bahnhofstraße zwischen Hauptbahnhof und Westerntor zur Fußgängerzone. Der Einzelhandelsverband fordert trotz des guten Bus-, Straßenbahn- und Zugangebotes weitere Fahrten und eine Reduzierung der Parkplatzmenge in der Stadt, da der Platz viel sinnvoller für eine attraktive Stadtgestaltung genutzt werden könnte. Die Zahl der Autofahrer unter den Einkäufern ist mit 10% nur noch sehr gering. Zum Liborifest müssen die Triebwagenzüge regelmäßig verstärkt werden. Besonders Touristen im Sauerland nutzen gerne die Sonderrückfahrkarten zum Liborifest. Früher war es nicht möglich, ohne Stau und Stress mit soviel Komfort schnell nach Paderborn zu kommen. heute sind Kunden aus dem Sauerland in Paderborn keine Seltenheit.

Da auch in Paderborn die Menschen auf die Vorteile eines Autos nicht verzichten wollen, beteiligen sich die meisten Menschen, die ihr Auto aufgegeben haben, am Carsharing. Die Carsharing Organisation hält für je 20 Mitglieder ein Auto vor. Wer ein Auto braucht, kann spontan eines telefonisch buchen (heute ist das mit dem Internet noch leichter). Es gibt eine große Auswahl, je nachdem wofür das Auto gebraucht wird. Der Einsitzer für die Einzelreise, der Kleinbus für den großen Familienausflug oder der Transporter für den Umzug stehen jederzeit zur Verfügung. Wenn man Pech hat, muss man mal 2 km mit dem Fahrrad fahren, wenn am nahen Standort der gewünschte Wagen nicht verfügbar ist. Für jede Autofahrt zahlt man die vollen Autokosten, die bei keinem Wagen unter 80 Pfennig je Kilometer liegen. Dafür spart man die Fixkosten eines eigenen Autos ein. Der Normaltarif der Bahn ist mit 25 Pfennigen / Kilometer weitaus preiswerter. Noch weniger kosten Zeitkarten oder mit der Bahncard gekaufte Fahrkarten.

Paderborn ist eine ruhige, aber lebendige Stadt geworden. Wenn man einmal Auto fahren muss, hat man freiemStraßen, weil das Fahrrad und der öffentliche Verkehr sowie das Laufen die wichtigsten Verkehrsarten geworden sind. Dank des geringen Autoverkehrs sind die Unfallzahlen enorm zurück gegangen. Im letzten Jahr ist niemand in der Stadt im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Die Busfahrer haben beim Fahren viel weniger Stress und Gesundheitsbelastungen und sind dadurch noch viel freundlicher geworden. Mann kann sich auf der Straße wieder unterhalten, ohne gegen den Verkehrslärm anbrüllen zu müssen. Derzeit streitet der Stadtrat wofür man das in den 90er Jahren gebaute Parkhaus am Neuhäuser Tor umwidmen könnte.

Die Industrie hat die Verkehrswende besser verkraftet, als andere es vorhergesagt haben. Um den öffentlichen und Fahrrad- Verkehr sind eine Menge an Service- und Zulieferbetrieben entstanden. Die Schienenfahrzeuge sind im Gegensatz zum Transrapid, der in den 90 Jahren das Wunderkind im Verkehrsbereich sein sollte, wegen der guten Betriebserfahrungen zu einem wichtigen Exportprodukt geworden. Die Benteler- werke sind einwichtiger Zulieferer für Lokomotiven, Windräder und Solarzellen geworden. Nixdorf liefert Steuerungen für die Regenassernutzung, die in Neubaugebieten vorgeschrieben wurde, ebenso die Zuglaufschilder. Blockheizkraftwerke liefern in den neuen Siedlungen Strom und Nahwärme. Die Häuser dürfen nur noch so gebaut werden, dass die Sonnenenergie passiv und aktiv genutzt werden kann. Die Solartenergieinitiative hat bundesweit vollen erfolg gehabt und der deutschen Wirtschaft eine Spitzenstellung ermöglicht. Züge und Busse haben heute solarzellen auf dem Dach, die nebenbei die die Sonnenhitze abfangen. Die Bahnsteige sind mit Solarzellen gegen Regen geschützt und große Glasflächen dienen als Solarkraftwerk. Das Vorbild dieser Politik macht auch in anderen Ländern Schule. Auch Entwicklungsländer setzen im Verkehr wieder auf die Schiene und profitieren von dem Solar- Entwicklungshilfeprogramm der Bundesregierung. So ist es gelungen, den CO2- Ausstoß trotz des noch immer anhaltenden Bevölkerungswachstums bei steigenden Wohlstand in der dritten Welt zu senken. Aber auch die Wachstumsraten bei der Weltbevölkerung sind durch gerechtere Welthandelsstrukturen deutlich gesunken.

Ja, heute im Jahr 2010 ist zwar nicht alles gut, aber an die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts denkt man heute mit Grausen zurück. Und wieviel Widerstand gab es gegen diese Entwicklung zum Guten?

Was stand heute noch in der Zeitung? Ach ja, der ADAC hat die zwei- Millionen – Mitglieder- Grenze unterschritten. Die Menschen brauchen einfach keine Schutzbriefe mehr. Der ADAC will nun seinen Service für Bahn- und Radfahrer deutlich ausweitenn und so den Trend wieder umkehren. Aber ob er da gegen die viel größeren Gruppen VCD, ADFC und PRO BAHN eine Chance hat?

Fakten statt Floskeln – gegen die Lügen des ADAC (Flugblatt vom April 1995)

Mit einem Flugblatt über den ADAC, das ich als Mitglied der Ökologisch Demokratischen Studierenden an der UNI verteilte (mit ca. 100 Tischexemplaren konnte ich alle erreichen, die in der Mensa essen – selbstverständlich wurden die Flugblätter von mir immer eingesammelt und mehrmals die Woche ausgelegt) und dass ich als ÖDP- Landtagskandidat in Paderborn am Infostand hatte wandte ich mich gegen eine Desinformationskampagne des ADAC, in der der AUTO DARF (fast) ALLES CLUB die Bahn, den ÖPNV und Verkehrswende polemisch und ohne Fakten angriff.

ADAC: Die Autofahrer sind die Melkkühe der Nation.
Richtig:
Der Straßenverkehr deckt seine Kosten nicht. Der ADAC vergisst die Steuererstattungen, Verkehrswacht, auf Versicherungen abgewälzte Kranken- und Pflegekosten u.v.a. Auch ohne die ökologischen Kosten ist die Straße defiztär. (Ergänzung: Kommt hinzu, das über Jahrzehnte der Staat mehr für die Straßen ausgab, als nominell über Autosteuern hereinkam. Eine Langzeitbilanz mit verzinsten Schulden, wie bei der Bahn, brächte einen enormen Schuldenberg.)

ADAC (1995!): Benzin wird unbezahlbar!
Richtig:
Benzin ist Inflationsbereinigt heute preiswerter als in den 50er Jahren. Die Benzinkosten machen laut ADAC- Tabelle nur bis zu ca. 20% der Autokosten aus.

ADAC: 7% weniger PKW 0 100% mehr Schienenverkehr
Richtig: Die meisten Autofahrten haben keine Bahnstrecke parallel. Es sind zu einem großen Teil kurze Strecken, die zu Fuß, per Rad oder per Bus erledigt werden können. Die Dürener Kreisbahn fährt auf einer ehemaligen DB- Strecke Fahrgastzuwächse von über 200% ein, ebenso die Karlsruher Verkehrsbetriebe. Die hat viele freie Kapazitäten, die nach einem Ausbau genutzt werden (können).

ADAC: Die Autofahrer bezahlen die Bahnreform
Richtig:
Selbst, wenn die Autofahrer mehr bezahlen würden, als für sie ausgegeben wird, ist nicht feststellbar, was die Autofahrer bezahlen. Steuern sind zweckneutral. Ob davon die Sozialhilfe, die Bundeswehr, Regierungsbauten, der Aufschwung Ost oder sonst was bezahlt wird, kann nicht festgestellt werden. Natürlich ist eine generelle Frage nach der Belastbarkeit der Menschen und der sinnvollen Mittelverwendung zu stellen. Steuersenkungen sollten jedoch nicht den Energieverbrauch fördern. die heute vermiedenen Einsparbemühungen bei der Energie sind der Kostentreiber von morgen.

ADAC: Die Schiene ist pro Personenkilometer teurer, als die Straße, welche intensiver genutzt wird, als die Bahn.
Richtig:
Die Bahn ist strukturell veraltet. Auf zahlreichen Strecken fährt nicht mal täglich ein Güterzug. Sparsame und preiswerte Triebwagen sind (1995) kaum vorhanden. Eine flächendeckend ausgebaute Bahn, wie bei den Strecken Linich – Jülich – Düren – Heimbach und Karlsruhe – Bretten bringt Güter und Fahrgäste auf die Schiene. Pro Personenkilometer kann die Bahn noch viel effizienter werden.

ADAC: Weltweit stammen nur 0,4% des CO2 vom PKW.
Richtig:
Vom Menschen stammen laut ADAC 4% der globalen CO2 Emissionen. Das Auto hat also laut ADAC weltweit einen Anteil von 10% am anthropogenen CO2-Ausstoß. Wegen der hohen Motorisierungsrate liegt daher der CO2 Anteil des Autos in industrialisierten Staaten bei mindestens 20%.

ADAC: Das Auto bringt mehr Nutzen als es kostet
Frage: Welchen Nutzen bringen überflüssige und vermeidbare Autofahrten? Schließlich will kaum jemand das Auto anschaffen. Aber die derzeitigen Verhältnisse und Prognosen kann niemand gut heißen. Die Masse der Autofahrten ist dafür verantwortlich und muss reduziert werden. Wie steht es um den Nutzen von Radfahrern und Fußgängern und von Bus und Bahn, lieber ADAC?

ADAC: Mehr Wirtschaft = mehr Verkehr
Richtig:
Die Wirtschaft verhält sich so, wie es unter den aktuellen Rahmenbedingungen betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Ein anderer politischer Rahmen führt dazu, das Transporte wie die Abfallmenge und der Energieverbrauch als ein zu minimierendes Übel angesehen werden. Und für das, was wirklich transportiert werden muss, gibt es Logistikkonzepte mit Fokussierung auf die Schiene.

ADAC: Berufsverkehr auf Bus und Bahn verlagern, Defizite begrenzen
Richtig:
Die Bereitstellung riesiger Kapazitäten für die kurzen Spitzenzeiten erhöht die Defizite, wenn zu den anderen Zeiten möglichst viele Autofahrer über Verkehrsleitsysteme (wie vom ADAC gefordert) in die Städte geführt werden sollen. Gerade in den Schwachlastzeiten müssen Fahrgäste gewonnen werden, um Busse und bahnen intensiver zu nutzen und mehr Fahrgeld einzunehmen (solange man nicht für den Nulltarif ist).

Wie ist der ADAC strukturiert? Wie können solche Hetzbroschüren entstehen, wie die Beilage zur ADAC- Zeitschrift Motorwelt „Fakten statt Floskeln zum Thema Verkehr“. Uninformierte Zeitgenossen werden die Parolen einleuchtend finden. Aber einem Faktencheck, der natürlich nicht die Auflage hat, wie die Motorwelt, hält keine der Aussagen stand.

Der ADAC besteht aus dem sogenannten Großclub (Bundesverband) und den Gauverbänden. Bei den Gauversammlungen hat jedes ADAC- Mitglied die Möglichkeit, teilzunehmen, nachdem fristgemäß per Einschreiben eine Anmeldung abgeschickt wurde. Die ADAC- Ortsclubs sind keine Ortsverbände für jedermann, wie bei anderen Vereinen, sondern Motor- „Sport“- Clubs im ADAC. Diese entsenden für je 30 Mitglieder einen Delegierten auf die Gauversammlung. Diese Delegierten dürfen anderen Delegierten ihr Stimmrecht übertragen. So kommt es, dass die gut organisierten Motorsportler die Gauversammlungen des ADAC dominieren und dann auch tonangebend sind bei der Hauptversammlung, deren Teilnehmer in den Gauversammlungen bestimmt werden. In der Hauptversammlung sitzen also die Motorsportsfraks fast unter sich und bestimmen dann mit, was der Mehrzahl der Alltagsautofahrer unter den 12 Millionen ADAC- Mitgliedern zum Lesen vorgesetzt wird. es hat den Anschein, dass der ADAC seinen guten Service nutzt, um durch das erreichen einer großen Mitgliedermasse Unzufriedenheit und damit Druck auf die Politik zu erzeugen. So werden getarnt als Interessenvertretung der Autofahrer eigentlich die Interessen derer gefördert, die einen möglichst großen Autoabsatz und viel Straßenbau haben wollen. Beides sind aber nicht die Hauptinteressen der Autofahrer. Maßnahmen zur Verkehrssicherheit und der Service sind an sich nicht schlecht, sie dienen aber auch der Autoindustrie, die ein schlechtes Image des Autos nicht gebrauchen kann. Die Gefechte des ADAC mit der Industrie wirken daher auf mich wie Scheingefechte, um den Mitgliedern weißzumachen, wie wichtig der ADAC ist.

Es gibt keinen Zwang im ADAC Mitglied zu werden. Auf der Autobahn muss die ADAC- Straßenwacht jeden helfen, da braucht keiner aus schlechten Gewissen das Beitrittsformular auszufüllen, wenn es einem vorgelegt wird. besser ist es andere Clubs stark zu machen.

Ich habe kein Auto, gehöre keinem Club an und bin daher frei von allen persönlichen Befangenheiten. Aber als Umweltfreund empfehle ich den Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Wer es nicht so mit Öko hat, kann auch im gewerkschaftsnahen ACE oder der kirchennahen Bruderhilfe seine Schutzbriefe holen.

Literatur:
Gute Argumente Verkehr, Beck’sche Reihe
Der Autoknigge
ADAC- Motorwelt (findet man an vielen Orten, auf der Arbeit, im Zug, beim Altpapierentsorgen)
ADAC- Broschüre „Fakten statt Floskeln….“ vom September 1994 (vor der Bundestagswahl!), in der Motorwelt nachgedruckt bis März 1995 (NRW- Landtagswahl).

Felix Staratschek, damals wohnend im Riemekeviertel in Paderborn