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Paderborn: Kasseler Tor: Es geht auch anders / Leserbrief vom 17.07.92

Zum Neubau einer Kasseler Tor- Brücke über die Eisenbahnstrecke Paderborn – Altenbeken, setzte die CDU- Mehrheit eine Brücke mit 2 Fahrspuren je Richtung durch. In einem Leserbrief vom 17. Juli 1992 legte ich in der Neue Westfälischen dar, dass eine Brücke mit 2 Spuren reicht, da man den Verkehr nicht über die Warburger Straße in die Innenstadt führen muss. Die Brücke wurde zwar gebaut, aber der Leserbrief enthält Ideen die alle oder teilweise, je nach Standpunkt, umgesetzt werden könnten. Einige betreffen die Führung des Straßenverkehrs, andere die Stärkung der Schiene und des ÖPNV. Leider waren in der Zeit unter Bundeskanzler Helmut Kohl bis 1998 solche Vorschläge chancenlos. Und auch danach ist unter Schröder und Merkel die notwendige Verkehrswende ausgeblieben.

Paderborns Einwohner werden in Zukunft noch mehr Verkehrslärm ertragen müssen, denn nach den derzeitigen Plänen soll durch den Ausbau des Kasseler Tores noch mehr Verkehr in die Kernstadt gezogen werden. Es ist klar, dass ein zentraler Ort erreichbar sein muss, aber dies geht auch anders, als derzeit geplant.

Ein Blick auf die topographische Karte zeigt, dass die Warburger Straße für den Durchgangs- und Fernverkehr nicht gebraucht wird. Aus Richtung Warburg kann man über den Westfalenring und die Driburger Straße oder Detmolder Straße in die Kernstadt gelangen. Wer in Paderborn wohnt kann problemlos laufen, radeln oder den Bus benutzen.

Was liegt da näher, als die Brücke über die Bahn am Kasseler Tor für den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu sperren. Nur Busse, Radfahrer, Fußgänger, Taxen, Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen dürfen die Brücke noch passieren. Der Busverkehr kann dann ausgeweitet werden, da es dadurch attraktiv würde, mit dem Bus schnell in die Innenstadt zu gelangen. Auch Laufen und Radfahren würden bei dieser Regelung zunehmen, weil der Gefahrenpunkt Bahnbrücke nicht mehr besteht und man sich ohne Angst vor zu vielen Autos auf der Brücke bewegen kann.

Die breite Warburger Straße böte an beiden Rändern genügend Raum für Parkplätze. Hier können Leute von außerhalb Paderborns ihr Auto abstellen und mit dem Bus alle 10 Minuten in die Innenstadt fahren. Es wird eine Parkgebühr erhoben, die gleichzeitig als Familienfahrkarte gilt und zu beliebig vielen Fahrten an einem Tag zwischen Auto und Innenstadt berechtigt.

Bei allen Verkehrsplanungen muss außer an die Umwelt auch an die allgemeine Staatsverschuldung gedacht werden. Ein massiver Straßenbau macht einen öffentlichen Verkehr, wie attraktiv er auch sein mag, unwirtschaftlicher. Aus finanziellen und ökologischen Gründen ist dieser Straßenbau nicht zu verantworten. das Geld, dass am Kasseler Tor für die breiten Autopisten und Parkplätze ausgegeben wird, fehlt beim öffentlichen Verkehr.

Wenn Paderborn aus dem Umland besser erreichbar sein soll, ist folgendes nötig:

—-Bau eines Bahnhofs am Rosentor.

—-Einsatz von Straßenbahnen (wie in Karlsruhe (oder mittlerweile auch Kassel – dann könnte man umsteigefrei durchfahren)) im Stundentakt zwischen Paderborn und Warburg, wobei in Benhausen, Neuenbeken, Buke, Schwaney, Hebram Wald-Neuenheerse, Borlinghausen, Bonenburg, Nörde und Menne Haltestellen eingerichtet werden müssen.

—-Ausbau der Almetalbahn / Sennebahn von Brilon Wald – Büren – Paderborn – Bielefeld.

—-Austausch der langen Citybahn- Züge Paderborn – Hannover (die damals nur alle 2 Stunden fuhren) gegen moderne Triebwagen, die Paderborn mit Hameln im 30 Minuten- Takt verbinden. Auch hier wären Straßenbahnfahrzeuge denkbar, die auch an kleinsten Orten an der Strecke eine Bedarfshaltestelle bedienen können.

—-Einführung eines 30 Minuten- Taktes zwischen Soest und Paderborn. Dafür ist eventuell auf Streckenabschnitten ein dreigleisiger Ausbau notwendig, damit bei einer echten Eisenbahn- Vorran- Politik der Fern- und Güterverkehr dem Nahverkehr genügend Fahrplantrassen übrig lässt.

Außerdem sind Spätzüge nötig, die wegen der geringeren Nachfrage auch mit Straßenbahnfahrzeugen gefahren werden können. In Karlsruhe wurde mit Straßenbahnen auf Bahngleisen sehr gute Erfahrungen gemacht. Wo elektrifizierte Strecken bereits vorhanden sind, sind Straßenbahnen preiswerte Verkehrsträger, die dann auch in dünn besiedelten Regionen fahren können. Schienen und Oberleitungen sind bereits für den Fernverkehr bezahlt und können von der Tram mitbenutzt werden.

Für das hier beschriebene ist Geld nötig, das aber fehlt, weil gigantische Straßenbauprojekte diese Mittel verschlingen. Wenn die Bürgerinnen und Bürger erst einmal bemerken, was die Politiker ihnen durch diese Politik an Lebensqualität stehlen (durch den Zwang zum Autofahren wegen fehlenden ÖPNV- Angeboten, durch Autolärm, Abgase, verstopfte Städte, Unfallopfer…..) wird es zu interessanten Wählerwanderungen kommen.

Abs. Felix Staratschek,
Verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP) im Kreis Paderborn
damals in der Riemekestraße in Paderborn zu Hause

Paderborn: Le Mans Wall Sperrung – Ein Traum mit Zukunft? Leserbrief vom 29.01.97

Im Wochenspiegel vom 29. Januar 1997 griff ich die baustellenbedingte Sperrung des Le Mans Wall für den Durchgangsverkehr auf. Denn das, was sonst nur zum Liborifest – meist in den verkehrsärmeren Sommerferien eine Woche lang Realität wird, wurde nun mitten Jahr für einige Zeit wahr. Und ich habe nicht mitbekommen, dass in Paderborn der Verkehr zusammen brach. In Form eines gedachten Stadtbesuches in Paderborn, habe ich beschrieben, wie schön die Stadt mit weniger Autoverkehr und mehr ÖPNV sein könnte.

In Steinheim steige ich in den Elektrotriebwagen nach Paderborn. der schnell beschleunigende Motor ermöglicht ohne Fahrzeitverlängerung das Bedienen neuer Haltestellen. So steigen heute auch an den Bedarfshaltestellen Grevenhagen und Neuenbeken (Anschluss an eine Buslinie des Padersprinter) Fahrgäste ein und aus. Alle 30 Minuten verkehrt dieser Zug zwischen Hameln und Paderborn. In Altembecken werden mehrere Triebwagen aus Höxter, Göttingen, Warburg und Detmold zu einem Verband gekoppelt, damit die Strecke Altenbeken – Paderborn nicht überlastet wird.

An der neuen Eisenbahnhaltestelle Rosentor verlasse ich mit den meisten Fahrgästen den Zug. Nur wer in den stündlichen Interregio umsteigen will, fährt noch weiter bis zum Paderborner Hauptbahnhof. Auf den zuschlagpflichtigen Inter City (IC) wurde zum Glück verzichtet. Alleine die neue Eisenbahn – Haltestelle Rosentor mit angrenzender Zentralstation des Padersprinter- Stadtbusnetzes hat der Bahn Fahrgastzuwächse von 40% gebracht.

Der Le Mans Wall und der Liboriberg sind ruhig. Die Straße wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Stattdessen kommt gerade eine Flotte von Bussen an, die statt durch die Innenstadt über den Kamp, Rathausplatz und die Marienstraße nun ungestört vom PKW- Verkehr über den südlichen inneren Ring fahren. Eine Midibus- Linie fährt alle 10 Minuten den Kreis Paderborn Hauptbahnhof – Paderborn Rosentor – Kamp – Marienstraße – Imadstraße – Rathenaustraße – Hauptbahnhof. Dieser Bus verkürzt nicht nur gehbehinderten Menschen die Wege zur Innenstadt, er erschließt auch das dicht bewohnte Riemekeviertel. Auf den Parkplätze am Liboriberg findet jetzt 2 mal in der Woche der Wochenmarkt statt. Wer samstags und Mittwochs in der Stadt etwas einkauft, kann nach seinen besorgungen in der Innenstadt die schweren Lebensmittel direkt neben dem Busbahnhof auf dem Wochenmarkt einkaufen und muss die Taschen nicht mehr so weit zum Bus schleppen. Der Domplatz bekam dafür neue Attraktionen. Anstelle des Wochenmarktes gibt es hier jetzt häufig Flohmärkte, Infobörsen, Aktionstage und viele andere Veranstaltungen, die die Menschen in die Innenstadt locken.

Da die Leute weniger mit dem Auto fahren, gehen viele mit einem Handwagen oder Rucksack einkaufen. Gegen einen Pfandbetrag kann man sich am Rosentor verschiedene Handwagen beim VPH- Fahrgastzentrum ausleihen. Für diese Handwagen gibt es im ganzen Innenstadtgebiet abschließbare Einstellplätze.

Von der Verkehrsregelung auf dem Liboriberg profitieren alle!
—Paderborn hat weniger Autoverkehr und trotzdem eine florierende Innenstadt.
—Es gibt weniger Abgase und Unfälle.
—Die Busse sind wesentlich schneller geworden, seit diese über den Le Mans Wall und Liboriberg fahren.
—Die Verknüpfung der Stadtbusse mit dem regionalen Schienenverkehr am Bahnhof Paderborn Rosentor ist hervorragend.
—Busfahrer (weniger Stress beim Fahren), Fahrgäste (schnellere Busverbindungen) und Anwohner (Zug- und Bushalt vor der Haustür, statt Zuggeräusche ohne Haltestelle) profitieren von der neuen Verkehrsgestaltung.

Dies muss keine Utopie bleiben. Die Sperrung des Le Mans Wall ist momentan vorhanden. Die Auswirkungen können geprüft werden. Der Rest kann in wenigen Jahren verwirklicht werden, wen die Politik es will oder die Wähler die Politiker per Stimmzettel dazu zwingen.

Autofahren bleibt nach wie vor für jeden zu jedem Ziel möglich. Aber der öffentliche Verkehr würde einen riesigen Attraktivitätsschub erhalten und so viele Autofahrten ersetzen.

Heute fahren alle Züge aus Richtung Altenbecken direkt an der Paderborner Innenstadt ohne Halt vorbei. Es muss am Hauptbahnhof in einen Bus umgestiegen werden, um dahin zurück zu fahren, wo man durch eine neue Haltestelle künftig aussteigen könnte. das gleiche gilt für Fahrgäste, die vom Zug in die Busse zur Uni und zur östlichen Stadthälfte umsteigen wollen. Busfahrgäste, die von einem Stadtteil ins andere fahren, wird die zeitraubende Innenstadtdurchquerung erspart, während die Fahrgäste, die zur Innenstadt wollen, noch immer recht nah am Zentrum halten oder in den Midibus umsteigen können. Der Midibus stört in der Innenstadt nicht und ersetzt die Schlange der Linienbusse, die im dichten Takt noch immer durch die Innenstadt fährt.

Paderborn hat hier einmalige Entwicklungschancen. Wer hat Lust sich mit mir (oder da ich nicht mehr in Paderborn bin statt mir) sich hierfür einzusetzen?

Eine Herausnahme der Busse aus der Innenstadt ohne eine Sperrung des südlichen Inneren Ringes für den Durchgangsverkehr wäre jedoch eine Verschlechterung des Busverkehrs und würde das Autofahren fördern. Ohne eine Sperrung für PKW, ist die Verlagerung der Busse auf den Liboriberg abzulehnen und die heutige Verkehrsführung beizubehalten.

Abs. Felix Staratschek
damals Verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch Demokratischen Partei (ÖDP), wohnhaft im Riemekeviertel.

Was ist uns die Bahn wert? / Neue Westfälische vom 28.11.1989

Betrifft: NW-Bericht: „Das kennt jede(r): Im Stau stecken, wenn mans eilig hat“ in der Ausgabe vom 21. November 1989

Es ist ein Teufelskreis. Steht der Bus im Stau, fahren wenig Leute mit ihm, fahren wenig Leute mit dem Bus, verstärkt dies den Stau durch mehr Autofahrten. Nun gibt es aber ein Verkehrsmittel ohne Stauungen, die Eisenbahn. Diese weist im Nahverkehr (Stand 1989!) noch immer große Fahrplanlücken auf und wird dadurch unattraktiv. Auch die ständig steigenden Fahrpreise, welche den Fahrgast für sein umweltfreundliches Verhalten bestrafen, sind kein Anreiz zum Umsteigen, solange das Benzin so billig bleibt.

Moderne Triebwagen können alle halben Stunden Paderborn mit Warburg, Höxter, Hövelhof, Büren, Bielefeld und Soest verbinden. Busse binden die Orte abseits der Bahnlinien an den Schienenverkehr an oder übernehmen in Paderborn die Feinverteilung der Fahrgäste. Alle Haltestellen erhalten viele Fahrradständer und wenn nötig Park & Ride- Plätze. Ein neuer Haltepunkt Rosentor bedient die Innenstadt. So nah kommt kein Autofahrer ohne Parkplatzsorgen an die Innenstadt, erst recht nicht zu Libori.

Die hier beschiebene Eisenbahn ist in den Niederlanden und der Schweiz bereits Realität. In der Schweiz stieg der Anteil der Bahn von 22 auf 30% zu Lasten des Autoverkehrs. Ein weiterer Ausbau des Schienenverkehrs soll den Marktanteil weiter erhöhen.

Wann entdecken endlich die regierenden Politiker, dass nicht der Flughafen Ahden oder die Autobahn wichtig sind, sondern eine gute Eisenbahn, die für alle Bürger zu jeder Zeit benutzbar ist. Ich bin noch nie geflogen (einmal ist es mittlerweile doch passiert, weil ich bei einer gewonnen Reise mitgenommen wurde).  Der Autoverkehr belastet jeden. deshalb dient die Bahn allen, wen diese den Autoverkehr reduziert. Und im Gegensatz zu Flugzeugen fährt die Bahn auch dort, wo man oft hin muss. Die Schweizer wissen was ihnen die Bahn wert ist in einer Volksabstimmung haben sie mit Mehrheit für das flächendeckende Ausbauprogramm „Bahn 2000“ gestimmt. Und was ist uns die Bahn wert?

Abs. Felix Staratschek für den Fahrgastverband Pro Bahn e.V., damals wohnhaft im Riemekeviertel in Paderborn

Die Qualität der Schweizer Bahn ist eine Folge der direkten Demokratie! da alle größeren Projekte einer Zustimmung durch das Volk bedürfen, wenn da Steuergelder für fließen sollen, vermeidet die Schweizer Politik einen Großteil der Prestigeprojekte, mit denen die Gelder für unsere Verkehrspolitik verprasst werden und durch ausbleibenden oder zu niedrigen Nutzen die Staatsverschuldung mit nach oben getrieben wird.

Paderborn 2010 – Eine Vision zur Stadtentwicklung aus dem Jahr 1994

Dieser Text wurde in der Juni- Ausgabe der Zeitschrift SCHIENE 1994 veröffentlicht. Wahrscheinlich müsste er heute fast unverändert „Paderborn 2030 heißen.

Von Felix Staratschek

Die Wochenendplanung ist nicht einfach. Nein, nicht deshalb, weil ich wie immer mehr Paderborner kein eigenes Auto besitze, sondern weil die vielen Möglichkeiten, die sich einem anbieten, die Entscheidung erschweren. An die schrecklichen Zeiten von 1994 erinnern sich die Paderborner nur mit Schaudern zurück. Heute ist das ganze Hochstift aber von einem guten öffentlichen Verkehr erschlossen. Selbst die Streusiedlung um Delbrück wird mit einem Anrufsammeltaxi alle halbe Stunde erschlossen. Die neue Buslinie Hövelhof – Delbrück – Salzkotten fährt ebenso häufig, um ein Beispiel zu nennen. Das Fahrrad ist ein wichtiger Zubringer zur Buslinie. Bei vielen Bauernhöfen können Pendler und andere Fahrgäste ihr Rad für 1 DM oder eine Jahreskarte von 100 DM sicher unterstellen. Bis um Mitternacht fahren von Paderborn Busse und Anrufsammeltaxen in alle Nachbarorte ab. Am Wochenende gibt es bis 2 Uhr noch Nachtfahrten.

Aber nun zum wichtigsten. Während mittlerweile in der Stadt Radfahrer und Fußgänger dominieren, ist das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs der Schienenverkehr. Dieser bietet mehr Komfort als Straßenfahrzeuge und er bietet auf ausgebauten Strecken schnelle Regionalverbindungen. Neue kleine Triebwagen sausen von Haltestelle zu Haltestelle. Durch Automatikkupplungen können die schnell zu kleinen Zügen zusammengestellt werden. es wird heute nicht mehr an allen Haltestellen ständig gehalten. Trotzdem wurden viele geschlossene Bahnhöfe wieder geöffnet. Bedarfshaltestellen, bei denen der Triebwagen nur hält, wenn jemand am Bahnsteig oder im Zug den Haltewunschknopf drückt, ermöglichen es, viele Orte wieder an die Schiene anzubinden.

In Paderborn fahren die Triebwagen meist als Doppel-oder Dreiereinheit ab. So fährt die Sennebahn zwischen Paderborn und Hövelhof immer zeiteilig. In Hövelhof werden die Züge getrennt, ein Triebfahrzeug fährt weiter nach Bielefeld, das andere nach Gütersloh. Große digitale Zuglaufschilder verhindern, das Fahrgäste den falschen Wagen besteigen.

Von Paderborn nach Brilon Wald wird auch sehr oft im Zugverband gefahren. So gibt es des öfteren Züge aus drei Triebwagen, von denen einer ab Brilon Wald nach Arnsberg, einer nach Winterberg und einer über Korbach nach Marburg fährt. In Winterberg haben die Fahrgäste Anschluss zum Schnellbus nach Bad Berleburg, wo der Eilzug nach Siegen schon am Bahnsteig wartet. So schnell und preiswert, wie heute, konnte man das Siegerland von Paderborn aus noch nie erreichen. Besonders wichtig für den Tourismus im Sauerland sind die Eiltriebwagen Bremen – Bielefeld – Winterberg. In Bielefeld hat der Triebwagen Anschluss an den ICE von Berlin. Umgekehrt fahren Küstenurlauber mit diesem Zug aus dem Sauerland und Ostwestfalen nach Norden.

Auch aus Richtung Osten ist der Verkehr besser geworden. Die Bahnstrecke Altenbeken – Ottbergen – Nordhausen wurde elektrifiziert. Mehrmals Täglich verbinden Pendolinizüge Paderborn mit Halle. Um die Bahnstrecke Paderborn – Soest zu entlasten, wurde die Obere Ruhrtalbahn und die Strecke Scherfede – Holzminden für den Güterverkehr und Fernzüge elektrifiziert und das zweite Gleis wieder hergestellt. Fast wären die Grundstücke, auf denen das zweite Gleis früher verlief, von der Eisenbahnvermögensverwaltung verkauft worden, aber Proteste vom VCD, dem ADFC und von PRO BAHN konnten das zum Glück verhindern.

Zwischen Paderborn und Altenbeken fahren jetzt oft sechs Triebwagen als Zug. In Altenbeken werden die Triebwagen nach Hannover (über Hameln), nach Herford (über Detmold) und nach Kassel (über Warburg) abgekuppelt. Der Zug Richtung Warburg hat zahlreiche Bedarfshaltestellen in der Egge. Die Züge nach Herford werden ab Detmold von weiteren Triebwagen verstärkt, damit alle Fahrgäste einen Platz finden. In Ottbergen fährt ein Triebwagen weiter nach Höxter und Kreiensen. Die beiden anderen Triebfahrzeuge bleiben noch bis Bodenfelde zusammen, wo eines nach Göttingen, das andere nach Northeim und Nordhausen fährt. Auf allen zweigleisigen Strecken fährt die Bahn durchgehend im 30 Minutentakt, auf anderen Strecken mindestens im Stundentakt. darüber hinaus gibt es noch Eilzüge.

Früher hätte so ein Angebot niemand bezahlen können. Aber die Bahn wurde, nachdem die Bundesregierung ein Investitionsprogramm auflegte und die Länder und die Kreise sich daran beteiligten, so modernisiert, dass diese viel wirtschaftlicher fahren kann. Die Triebwagenzüge können optimal der nachfrage angepasst werden. Sie belegen, obwohl sie verschiedene Ziele anfahren, auf stark befahrenen Streckenabschnitten nur eine Fahrplantrasse. Statt wie heute alle 2 Stunden kann man nun alle 30 Minuten nach Hannover fahren. Die Bahn war zwar auch früher schon ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber ein viel zu großer Zug mit nur wenigen Fahrgästen verbraucht pro Kopf auch viel Energie. Die Triebwagen sind viel sparsamer als der alte Zug und sprechen durch den dichten Fahrplan viel mehr Fahrgäste an.

Heute macht man sich Gedanken, wie man die Bahnstrecke nach Rheda Wiedenbrück wieder aufbauen kann. Die PESAG (heute der Padersprinter) baut ja noch kräftig an ihrem Straßenbahnnetz. Sie plant derzeit Delbrück und Wartendorf bis Münster zu fahren, um mit den im Aufbau befindlichen Straßenbahnen in Münster eine Verbindung herzustellen.

Wenn ich heute in Paderborn zum Bahnhof gehe, ist da ein reges Leben. Wegen der vielen Bahnfahrgäste wurde die Bahnhofstraße zwischen Hauptbahnhof und Westerntor zur Fußgängerzone. Der Einzelhandelsverband fordert trotz des guten Bus-, Straßenbahn- und Zugangebotes weitere Fahrten und eine Reduzierung der Parkplatzmenge in der Stadt, da der Platz viel sinnvoller für eine attraktive Stadtgestaltung genutzt werden könnte. Die Zahl der Autofahrer unter den Einkäufern ist mit 10% nur noch sehr gering. Zum Liborifest müssen die Triebwagenzüge regelmäßig verstärkt werden. Besonders Touristen im Sauerland nutzen gerne die Sonderrückfahrkarten zum Liborifest. Früher war es nicht möglich, ohne Stau und Stress mit soviel Komfort schnell nach Paderborn zu kommen. heute sind Kunden aus dem Sauerland in Paderborn keine Seltenheit.

Da auch in Paderborn die Menschen auf die Vorteile eines Autos nicht verzichten wollen, beteiligen sich die meisten Menschen, die ihr Auto aufgegeben haben, am Carsharing. Die Carsharing Organisation hält für je 20 Mitglieder ein Auto vor. Wer ein Auto braucht, kann spontan eines telefonisch buchen (heute ist das mit dem Internet noch leichter). Es gibt eine große Auswahl, je nachdem wofür das Auto gebraucht wird. Der Einsitzer für die Einzelreise, der Kleinbus für den großen Familienausflug oder der Transporter für den Umzug stehen jederzeit zur Verfügung. Wenn man Pech hat, muss man mal 2 km mit dem Fahrrad fahren, wenn am nahen Standort der gewünschte Wagen nicht verfügbar ist. Für jede Autofahrt zahlt man die vollen Autokosten, die bei keinem Wagen unter 80 Pfennig je Kilometer liegen. Dafür spart man die Fixkosten eines eigenen Autos ein. Der Normaltarif der Bahn ist mit 25 Pfennigen / Kilometer weitaus preiswerter. Noch weniger kosten Zeitkarten oder mit der Bahncard gekaufte Fahrkarten.

Paderborn ist eine ruhige, aber lebendige Stadt geworden. Wenn man einmal Auto fahren muss, hat man freiemStraßen, weil das Fahrrad und der öffentliche Verkehr sowie das Laufen die wichtigsten Verkehrsarten geworden sind. Dank des geringen Autoverkehrs sind die Unfallzahlen enorm zurück gegangen. Im letzten Jahr ist niemand in der Stadt im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Die Busfahrer haben beim Fahren viel weniger Stress und Gesundheitsbelastungen und sind dadurch noch viel freundlicher geworden. Mann kann sich auf der Straße wieder unterhalten, ohne gegen den Verkehrslärm anbrüllen zu müssen. Derzeit streitet der Stadtrat wofür man das in den 90er Jahren gebaute Parkhaus am Neuhäuser Tor umwidmen könnte.

Die Industrie hat die Verkehrswende besser verkraftet, als andere es vorhergesagt haben. Um den öffentlichen und Fahrrad- Verkehr sind eine Menge an Service- und Zulieferbetrieben entstanden. Die Schienenfahrzeuge sind im Gegensatz zum Transrapid, der in den 90 Jahren das Wunderkind im Verkehrsbereich sein sollte, wegen der guten Betriebserfahrungen zu einem wichtigen Exportprodukt geworden. Die Benteler- werke sind einwichtiger Zulieferer für Lokomotiven, Windräder und Solarzellen geworden. Nixdorf liefert Steuerungen für die Regenassernutzung, die in Neubaugebieten vorgeschrieben wurde, ebenso die Zuglaufschilder. Blockheizkraftwerke liefern in den neuen Siedlungen Strom und Nahwärme. Die Häuser dürfen nur noch so gebaut werden, dass die Sonnenenergie passiv und aktiv genutzt werden kann. Die Solartenergieinitiative hat bundesweit vollen erfolg gehabt und der deutschen Wirtschaft eine Spitzenstellung ermöglicht. Züge und Busse haben heute solarzellen auf dem Dach, die nebenbei die die Sonnenhitze abfangen. Die Bahnsteige sind mit Solarzellen gegen Regen geschützt und große Glasflächen dienen als Solarkraftwerk. Das Vorbild dieser Politik macht auch in anderen Ländern Schule. Auch Entwicklungsländer setzen im Verkehr wieder auf die Schiene und profitieren von dem Solar- Entwicklungshilfeprogramm der Bundesregierung. So ist es gelungen, den CO2- Ausstoß trotz des noch immer anhaltenden Bevölkerungswachstums bei steigenden Wohlstand in der dritten Welt zu senken. Aber auch die Wachstumsraten bei der Weltbevölkerung sind durch gerechtere Welthandelsstrukturen deutlich gesunken.

Ja, heute im Jahr 2010 ist zwar nicht alles gut, aber an die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts denkt man heute mit Grausen zurück. Und wieviel Widerstand gab es gegen diese Entwicklung zum Guten?

Was stand heute noch in der Zeitung? Ach ja, der ADAC hat die zwei- Millionen – Mitglieder- Grenze unterschritten. Die Menschen brauchen einfach keine Schutzbriefe mehr. Der ADAC will nun seinen Service für Bahn- und Radfahrer deutlich ausweitenn und so den Trend wieder umkehren. Aber ob er da gegen die viel größeren Gruppen VCD, ADFC und PRO BAHN eine Chance hat?